Irrsinnige Vorstellungen der Menschen I

Menschen dürfen im Leben keine Fehler machen bzw. müssen keine Fehler machen, um etwas zu lernen

Die Generation Fehlerfrei ist immer die Generation, die denkt, sie würde alles besser machen als die anderen zuvor.
Heute sind wir eigentlich so weit, dass eine neue Generation im Prinzip gar nichts mehr schlimmer, sondern nur besser machen kann – indem sie am besten mal möglichst gar nichts täte: möglichst nichts Unnötiges und unnötig Verpacktes kaufen und konsumieren, möglichst nichts auf dem Müll landen lassen, möglichst keinen unnötigen Strom verbrauchen, möglichst nicht mit dem Auto herumfahren oder in der Welt herumfliegen, möglichst nichts Neues entwickeln, was bald wieder verschrottet werden muss, weil schon wieder der nächste etwas Neues entwickelt hat.

Technikfreaks sind häufig die gnaden- und empathielosesten PerfektionistInnen, wenn es um Fehler geht – hinsichtlich ihrer eigenen sowie gegenüber anderen. Wer nur mit Maschinen arbeitet, die nur „richtig“ programmiert werden müssen, damit sie funktionieren, vergisst leicht, dass Menschen keine Maschinen sind. Menschen müssen beim Lernen Fehler machen (dürfen), sonst verlieren sie den Spaß am Lernen, vielleicht sogar am Leben – denn lebenslanges Lernen ist für unsere, vor allem psychische, Gesundheit wichtig.

Vielleicht ist es ein sorgloses Leben, keine Lust mehr darauf haben zu müssen, im Leben noch Fehler machen zu müssen, um daraus etwas zu lernen; einfach nur noch möglichst viel erleben, sich also zu nutze machen, was man irgendwann mal durch eigene Fehlschläge lernen musste oder wollte – meist möglichst weit weg von zu Hause, wo „die Leute nur sterben“? Ich persönlich halte es für ein rücksichtsloses und damit kein wirklich vollständiges Leben.
Aber ich habe den Eindruck, jede Generation, jeder Mensch ist auch dazu verdammt, sich irgendwann damit auseinanderzusetzen, was er oder sie im Leben – aus Angst, einen Fehler zu machen, verpasst hat oder womit er oder sie sich besser schon früher einmal beschäftigt hätte.
Denn zum Scheitern ist es im Leben zum Glück nie zu spät – die Gefahr nehmen nur diejenigen nicht mehr auf sich, die sich statt dabei noch Neues lernen zu können lieber damit abfinden, nicht mehr lange zu leben zu haben.

P.s.: Dass es ein Fehler sein kann, ein möglichst fehler- oder sorgloses Leben führen zu wollen, lernen Menschen erst, wenn sie Gewissensbisse bekommen, weil sie sich für zu fehlerfrei gehalten haben oder zu sorglos waren. Wenn Eltern übersehen oder vergessen, ihre Kinder diese Erfahrung machen und sie daraus lernen zu lassen, holt es irgendwann die Natur, und vielleicht ja sogar in ihrem Auftrag die Politik nach oder andere Menschen, die das Weltgeschehen maßgeblich mitbestimmen …

 

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Dank für das Foto gebührt Pawel Janiak (auf Unsplash)!

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