Heiraten, Sex und andere Liebesdienste

Warum Menschen keine Liebespaare sind, wenn das, was sie tun, vor allem dem eigenen Spaß und Vergnügen oder (finanzieller) Absicherung dient oder dabei der eine oder die andere einseitig bedient wird oder sich verdient macht

Die Menschen brauchen nicht nur dringend wieder mehr körperliche Nähe und weniger Angst voreinander oder vor gefährlichen, unsichtbaren Viren, die andere auf sich herumtragen und verbreiten könnten, sondern die ganze Welt könntet wieder mehr Liebe gebrauchen statt vor allem auf Fortpflanzung und Sex, Heiraten oder andere Sicherheiten ausgerichtet zu sein. Dann würde sich auch unser Überbevölkerungsproblem vermutlich ganz von allein lösen.

Wer nicht nur an Sex oder eine eigene Familie denkt oder nach dem Gefühl sucht, geliebt zu werden, sondern versucht, andere zu lieben, ihnen möglichst viele Liebesdienste zu erweisen, hat genug damit zu tun, als dass er oder sie sich noch Zeit dafür nehmen wollen würde, sich um eigene Kinder zu kümmern, die viel Liebe brauchen. Das ist zumindest meine Theorie.

Ich habe mich immer schon – wenn ich mich in der Welt so umgeblickt und die unterschiedlichsten Menschen betrachtet habe – gefragt, ob ich genug Liebe aufbringen könnte, um Kinder zu lieben, die vielleicht nicht so werden, wie ich sie mir wünschen würde. Ich habe mich noch nicht dazu entschließen können, dieses Risiko einzugehen, und bin auch völlig damit ausgelastet, die Liebe zu den Menschen, die bereits da sind und mir etwas bedeuten, aufrecht zu erhalten.
Ich habe viel Vertrauen in die Natur; ich weiß, dass die Mutter-Kind-Liebe die stärkste sein soll, die es auf Erden gibt. Aber ich bin mir auch sicher, dass Liebe – wie alles andere in der Welt der Menschen, die sich (noch) keine Unendlichkeit vorstellen können – ihre Grenzen hat.

Liebe ist keine einseitige „Sache„. Liebe hat auch nichts damit zu tun, dass jemand eine Leistung erbringt und eine Gegenleistung erwartet. Liebe kann man sich nur schenken, alles andere ist eher eine Dienstleistung, für die meistens zumindest eine/r, im Idealfall beide – oder falls mehr, alle – Beteiligten dankbar sind.

Liebe ist ein Gefühl, das über Dankbarkeit oder Sicherheit hinausgeht – deshalb bin ich mir auch unsicher, ob Tiere uns Menschen tatsächlich lieben können.
Wenn sie unsere Nähe suchen würden, ohne dass sie etwas von uns erwarten oder erhoffen, einfach nur, weil sie uns lieben und in unserer Nähe sein wollen – auch wenn sie selbst gar keine Angst vor dem Alleinsein haben – dann wäre es vielleicht aus Liebe.

Ich habe viel mehr das Gefühl, dass wir Menschen Liebe sehr oft mit anderen Gefühlen oder heutzutage, in unserer ökonomisch denkenden Konsumgesellschaft, immer mehr mit einer Dienstleistung verwechseln – weil wir sie nicht von unseren Müttern, Vätern oder anderen Familienangehörigen und LehrerInnn lernen können, die sie uns meist nicht einmal vorleben; weil sich zwar respektvolles Handeln, (Liebes-)Rituale, aber nicht Liebe anerziehen lässt; weil wir nicht gezielt nach ihr suchen können, sondern auf sie warten oder etwas dafür tun müssen, dass wir den oder die Momente, in denen wir sie einfach fühlen können, nicht verpassen – vielleicht weil wir nur an Sex oder Familienplanung denken oder wenn wir nicht darauf achten, dass wir sie gerade erleben, weil wir nicht mit ihr gerechnet haben.

P.s.: Ich glaube heute fast, dass vor allem Menschen eigene Familien gründen und Kinder bekommen (wollen), die wenig Liebe und echte Verbundenheit in ihrem Leben erfahren haben oder nicht darüber nachdenken, ob sie selbst fähig sind, genug Liebe dafür aufzubringen – vor allem wenn sie sich nie mit den anstrengenden Seiten von Liebesbeziehungen auseinandergesetzt oder, allein oder gemeinsam, mit natürlicher Familienplanung und Verhütungsmethoden beschäftigt haben, also denken, dass mit Sex verbundene Liebe automatisch zu Nachwuchs führt, wenn man das nicht künstlich verhindert. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten echter Liebesdienste in einer Partnerschaft, von der Verfolgung der Fruchtbarkeitszeichen während des eigenen Zyklus bei der Frau bis hin zum Erlernen der Steuerung der Ejakulation beim Mann, die dafür sorgen würden, dass ein Liebespaar einfach ein Liebespaar bleiben kann oder vielleicht ein echtes, das niemanden dazu haben möchte, der oder die die enge Beziehung stören könnte, daraus wird.

 

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Dank für das Foto gebührt Chino Rocha (auf Unsplash)!

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