Natur, Mensch und (Bio- oder Bio-Medizin-)Technik

Wer beherrscht, zerstört oder rettet hier wen?

Die (Bio-) Medizin- und (Bio-)Technik ist – im Gegensatz zu Geräten – für mich der Versuch der Menschen, die Natur zu beherrschen: ihr Kampf gegen die Mächte der Natur und ihre Gesetze. Die Windrichtung zu ignorieren, wenn man gegen Feuer kämpft oder es beherrschen möchte, kann tödlich sein.
Genauso wie Feuer, brauchen Menschen Sauerstoff, um existieren zu können: Luft zum Atmen und Leben. Aber dem Feuer ist es egal, wenn es irgendwann erlischt, weil es ausgebrannt ist oder sich mit seinen eigenen Abgasen erstickt.
Gegen den Strom zu schwimmen kostet unnötig Energie und ohne Berücksichtigung der Fließrichtung von Wasser lässt sich keine gewinnen.
Die Erde ist unsere Lebensspenderin – ohne das, was sie an Lebensmitteln hervorbringt, können Menschen nicht leben. Es ist menschliche Überheblichkeit, in meinen Augen Dummheit, zu denken, sie könnten ihre Erträge steigern, und die Spielregeln des Lebens zu missachten: „Es ist genug für alle da“ hängt davon ab, ob sich alle daran halten, sich nicht mehr als die anderen nehmen zu wollen. Wenn wir Menschen mehr werden, dürfen sich alle nur ein kleineres Stück des Kuchens nehmen, damit alle davon ernährt werden können.
Die Gesundheit unseres Organismus, unseres Immunsystems, hängt davon ab, dass wir ihm nicht mehr zumuten als er verkraften kann, dass wir ihn bzw. es nicht mehr ver- als entgiften.
Wenn wir also alle mehr haben und zu wenig (ab-)geben wollen, wenn die Rechnung aufgehen soll, dass es allen Menschen auf der Erde so „gut“ gehen soll wie uns in den westlichen, technisierten Industrienationen, müssten wir wieder weniger und nicht weiterhin mehr Menschen werden oder etwas weniger für uns selbst erreichen oder haben wollen.

Vielleicht geht es anderen Menschen aber viel besser; vielleicht sind sie glücklich und gesünder damit, dass sie in ihren Großfamilien leben dürfen, in denen sie gerecht aufteilen, was sie haben, – Lebensraum, Nahrung, Wasser, (Lebens-)Energie – statt unabhängig, frei und einsam in Gesellschaften zu leben, in denen sich nur Menschen wohlfühlen sollen, denen es „besser“ geht, die also mehr als andere haben? Geht es Eltern eigentlich gut, die sich wünschen, dass ihre Kinder es mal besser haben sollen?

Die Evolution sorgt ganz natürlich dafür, dass sich Lebewesen „zu ihrem Besseren“ weiterentwickeln: so, dass sie sich mit Veränderungen der Natur leben können – weil sie sonst aussterben.
Ich bin sicher, dafür sorgen dieselben Kräfte, die Naturgesetze, die für Stabilität und Energiefluss, Statik und Dynamik, im Kosmos sorgen.
Ich kann mir sogar vorstellen, dass sie dafür sorgen, dass Meteoriten die Erde treffen, wenn sich dort jemand zu lange als AlleinherrscherIn aufspielt.
Oder dass sie die (Bio- oder Medizin-)Technik beherrschen, sie versagen lassen, wenn Menschen zu sehr an sie statt an die Naturgesetze glauben,
Dass sie Algorithmen entstehen, also von Menschen schaffen lassen, die zum Besten der Menschen dienen können, und sei das „nur“ in der Erkenntnis, dass sie unnötig oder gefährlich waren.
Menschen lernen von Natur aus nur aus Fehlern. – Umso lernresistenter sie sind, umso mehr sie sich also der Natur widersetzen, sie – und ihr natürliches Immunsystem, das sie schützt – mit Technik kontrollieren wollen, desto schmerzhafter wird irgendwann ihre Erkenntnis sein, dass die Natur immer Recht hat, ihr Recht einfordern und die Kontrolle behalten wird.

Statt im Glauben an die Rettung der Menschheit durch technologische Weiterentwicklungen mein Schicksal in die Hand von (Bio-)TechnologInnen (oder -medizinerInnen) und LaborwissenschaftlerInnen zu legen, die besser wissen sollen als ich, was gut (und gesund) für mich ist, verlasse ich mich lieber weiterhin darauf, was ich in meinem Leben gelernt – gesehen und gehört und gespürt oder intuitiv, mit meinen Feinsinnen, die vielleicht im Herzen liegen,  – wahrgenommen habe.
Ich bin wirklich dankbar, dass sie mir ein Biologiestudium beschert und mich rechtzeitig davon abgebracht haben, an Heilmittel oder die Rettung anderer, die sich selbst freiwillig in Lebensgefahr bringen, zu glauben.
Auch Technik wird Menschen nicht retten, die

  • sich zu weit von der Natur entfernt haben,
  • ihren Wert nicht (an-er-)kennen;
  • nicht alle Lebewesen in der Natur zu schätzen wissen, auch wenn sie sie nicht sofort mögen;
  • nicht glauben und ignorieren wollen, dass andere Lebewesen verletzt werden oder sterben müssen, damit sie selbst leben können;
  • nicht ertragen, dass Leben auch Leid und Schmerz, Zerstörung und Tod beinhaltet.

Nur das Ausmaß bestimmen wir selbst; und wir machen es nicht kleiner, indem wir uns immer mehr von gefühllosen Maschinen und Robotern, also technischen Weiterentwicklungen, begleiten oder sogar beherrschen lassen.

P.s.: Ich persönlich will mich nicht beherrschen lassen – weder von anderen noch von meinen eigenen Gefühlen oder von dem, was ich weiß; weder von meinem Bauch noch von meinem Kopf; nicht von Ängsten, Ungeduld, Wut oder Verzweiflung. Zum Glück stelle ich immer wieder fest, dass ich mich gar nicht immer beherrschen (lassen) muss, sondern Menschen um mich habe, die meine persönliche Freiheit respektieren oder akzeptieren bzw. wissen, dass ich ihnen nicht die Schuld für meine Gefühle in die Schuhe schieben will oder dass ich sie nicht für dumm halte, nur weil ich einen höheren akademischen Abschluss als sie habe und andere Dinge als sie weiß oder kann als sie. Ich weiß, dass ich nicht so kindlich-naiv und auf eine „schützende Hand“ angewiesen bin, wie viele vielleicht denken, die mich und mein Äußeres sehen oder nur meine (mit Sicherheit oft technikfeindlich klingenden) Worte hören wollen – ohne sie zu verstehen -, mich also im Prinzip gar nicht kennen.
Ich kann mich darauf verlassen, dass ich – wenn ich mir Zeit nehme, um Mut zu fassen, mich also selbstsicher genug fühle, um anderen mit Respekt und Geduld oder Nachsicht statt Rücksichtslosigkeit zu begegnen – mich niemandem unterwerfen, also von niemandem beherrschen lassen muss. Das erfordert im Prinzip nur Übung – Konsequenz dabei, es immer wieder zu versuchen, immer wieder anzufangen und durchzuhalten – aber keine Kontrolle. Es ist biologischer Unsinn zu denken, man könne ewig damit durchkommen, also gesund und glücklich damit leben, sich mit Technik – statt mit körpereigenen oder geistigen Techniken – zu kontrollieren, und es ist Wahnsinn, die Natur oder ganze Welt damit beherrschen zu wollen.
P.p.s.: Vielleicht ist es vermessen zu glauben, ich würde mich überhaupt nicht von Technik beherrschen lassen (ich liebe es zum Beispiel, Algorithmen darüber bestimmen zu lassen, welche Lieder schon „für mich“ geschrieben wurden, auf deren Texte ich also unbedingt mal hören sollte – wenn ich feststelle, dass sie aus tiefstem Herzen kommen und nicht nur von Herzschmerz oder dem eigenen Leiden und der Wut darüber handeln); aber ich weiß, dass ich auch gut ohne sie leben könnte, weil mir Wege einfallen würden, mein Leben ohne ihre Hilfe zu genießen und auszukosten. Es ist schön, dass es sie gibt, aber wenn sie mir mein Leben vorgibt, geht sie mir zu weit, und wenn sie meine Natur, unseren Lebensraum dafür zerstört, nur damit ich es im Leben leichter habe, dann verzichte ich lieber ganz auf sie. Aber das müssten wir Menschen gar nicht, wenn wir uns wieder selbst mehr beherrschen würden.

 

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Dank für das Foto gebührt Jezael Melgoza (auf Unsplash)!

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