Gewissenlose Experimente an Lebewesen

Oder: Die Folgen kindlich-naiver Gedankenlosigkeit bei Pflanzen-, Tier- (oder Menschen-)Versuchen

Als WissenschaftlerIn will man etwas erforschen, will verstehen, warum etwas wie funktioniert und wie man darauf Einfluss nehmen kann.

Im Grunde sind WissenschaftlerInnen große Kinder, die ihr Leben lang die Welt und das Leben erkunden und anderen von ihren Studienergebnissen berichten wollen. Leben könnte davon niemand, wenn er oder sie dafür nicht bezahlt werden würde.
Leben wollen würde vom Gros der biologischer Forschungsrichtungen niemand, dem Respekt vor dem Leben und allen Lebewesen beigebracht worden wäre.

Ich selbst, die ihre Kindheit und Jugend damit verbringen durfte – also „nur“ belächelt wurde bei ihren Versuchen – immer wieder Tieren das Leben retten zu wollen, so dass ich es mir nie abgewöhnt habe, aus Angst, dafür ausgelacht oder von anderen aufgrund meiner Macke ausgegrenzt zu werden – habe schon früh während meines Biologie-Studiums festgestellt, dass die biologische Forschung mir zu weit geht, wenn sie Tiere und Pflanzen als reine Versuchsobjekte missbraucht. Ich bin deshalb zur Freilandbiologin und Beobachterin, vor allem von Pflanzen und ihren Bestäubern in freier Wildbahn, bzw. zu einer Analystin geworden, die „nur“ Pflanzen, die selbst kein langes Leben haben, weil sie nach ihrer Fruchtreife sterben – also vor allem Ein- oder Zweijährige – in ihre Einzelteile zerlegt oder nur mit Teilen von Pflanzen, die wieder nachwachsen können, arbeitet bzw. experimentiert hat.

Mir fällt es heute immer noch schwer, in die Natur einzugreifen und vielleicht etwas zu zerstören, was sich nicht so schnell wieder regenerieren kann.
Wenn ich Wildkräuter, die schon beginnen, mir im Garten über den Kopf zu wachsen, zurückdrängen will, damit Platz für meine Gemüsepflanzen und Salate bleibt, gehe ich nur schrittweise, nie radikal vor, um auch ihnen noch so viel Raum wie möglich zu lassen.
Als wir kürzlich unsere Rose zurückgeschnitten haben (weil ich unter den wilden, rosafarbenen Trieben die einst gelben gesucht habe), habe ich Zweige mit Blüten und Knospen in Vasen untergebracht, damit die Bienen sie noch so lange wie möglich besuchen können.
Menschen, die nicht wissen, wer alles von dem lebt, was die Natur hervorbringt, die Nahrungsketten und Zusammenhänge nicht kennen, können mich vermutlich nicht verstehen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich unnötig viel Natur zerstöre, „nur“ weil ich etwas so haben will, dass es mir gefällt (denn die Welt könnte anders aussehen, wenn wir Menschen die Schönheit wilder Natur mehr schätzen und sie nicht lieber so „schön bequem, zugänglich und geordnet“ haben wollen würden) – oder mir besonders gut schmeckt (denn satt werden könnte ich auch von Wildkräutern).
Ich habe nie angefangen, mein Gewissen für Geld zu verkaufen – denn das hätte ich tun müssen, um in der modernen Welt als Wissenschaftlerin Karriere zu machen oder überhaupt für andere arbeiten zu können.
Den wenigsten Menschen ist bewusst, wie grausam die moderne Biologie ist, also die Lebens-, nicht die Naturwissenschaft, die sich mit toter Materie beschäftigt; den wenigsten ist wahrscheinlich bewusst, was Bio-Technologie bedeutet bzw. wie lebensfremd und -feindlich sie ist.
Solange also ExpertInnen als unsere HeldInnen gefeiert werden, die Bio-Technologie nutzen, um die Menschheit voranzubringen, so lange Menschen daran glauben wollen, dass dieser Weg alternativlos ist, rechne ich persönlich nicht damit, dass unsere Natur geschützt oder unsere Welt besser, die Menschen gesünder oder das Leben schöner wird.
Ich mache es mir derweil so schön wie möglich – in so viel Natur, zwischen so viel Wildpflanzen und -tieren, und unter so viel Menschen, die die Natur wirklich lieben und versuchen, sie zu schützen, wie mir dabei bleiben.

P.s.: Das Verbrechen an der Rose habe ich nicht alleine begangen, aber in Auftrag gegeben, dass ich sie hinterher an einen Stützpfahl anbinden „musste“ (um ihre selbstständige Suche nach einem Halt zu unterbinden, der mir zukünftig im Weg sein könnte), den sie vorher nicht gebraucht hat, um alleine aufrecht zu stehen bzw. zu wachsen. Für das Foto bin aber nur ich selbst verantwortlich.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.