Eine Geschichte von menschlicher Angst – ein Gespenst das gefühlt schon seit Ewigkeiten umgeht

Wie wir uns unsere eigenen Alpträume – lokal bis global – auch zukünftig selbst schaffen (können) werden

Eben bin ich zum ersten Mal seit Langem aus einem Alptraum aufgewacht, der mir so viel Angst eingejagt hat, dass ich sie fühlen konnte. Meine Angst hat sich real angefühlt.

Ich, als Erwachsene und Biologin, die sich immer wieder auch mit Biopsychologie, Neurophysiologie oder Psychoneuroimmunologie, aber auch Traumdeutung und anderen spirituellen Forschungsergebnissen, also Geisteswissenschaften, beschäftigt hat, um zu verstehen, was in ihr selbst vor sich geht, weiß, dass mein Bewusstsein nachts einerseits Erlebtes verarbeitet, andererseits eigene Bilder kreiert, von denen sich wenige genau erklären können (denen zudem nur wenige Menschen Glauben schenken), wie sie entstehen.
Ich habe meine eigene Theorie dazu, aber um Ursachen soll es dieses Mal nicht gehen.

Ich kenne die Folgen solcher Alpträume: Ich habe sie gerade hautnah erlebt und bin daran erinnert worden, wie ich mich, vor allem als Kind, schon häufig in meinem Leben gefühlt habe, wenn ich Angst hatte, die mir niemand nehmen konnte.
Ich habe gelernt, mir zu vertrauen, wenn ich mir danach einreden kann, dass

etwas nur ein Traum war;

ich weiß, warum ich diesen Traum hatte;

mein Traum keine Realität ist – weder war noch sein wird;

dass ich etwas aus meinem Traum lernen kann (oder soll), aber keine Angst haben muss, dass er Wirklichkeit wird;

dass ich auch sorglos im Dunkeln aufstehen kann und

auch niemand ins Haus eingedrungen ist, der oder die mich (aus)rauben, quälen oder töten will.

Mir ist gerade bewusst geworden, dass Kinder und offenbar auch viele Erwachsene das nicht können, entweder weil sie nicht genug Menschen um sich hatten, die ihnen Selbstvertrauen gelehrt, sie also im Leben oft genug getröstet oder gelobt haben, oder weil sie es in einer Welt voller alptraumhaften Geschichten, die ihnen niemand erklären kann, verloren haben.

Wenn wir also nicht endlich aufhören, schon Kindern Angst zu machen, also weiterhin erlauben, dass grauenvolle Geschichten – in Worten oder Bildern bzw. Filmen – erzählt werden dürfen, ohne dass sie erklärt werden, werden Menschen Angst haben und sich Angst machen lassen, sogar vor unsichtbaren Viren, mit denen wir seit Anbeginn unserer Menschheitsgeschichte friedlich zusammen leben, ohne das sie es geschafft oder auch nur den Versuch gestartet hätten, uns auszurotten.

P.s.: Ich geh‘ jetzt zurück ins Bett, ohne mir dazu Licht machen zu müssen, – den Weg finde ich auch im Dunkeln – und ich bin mir sicher, dass ich schnell wieder einschlafen kann, weil ich losgeworden bin, was mich vorhin zu sehr beschäftigt, also davon abgehalten hätte. Eine gute Nacht wünsche ich allen, die gerade hoffentlich von etwas Schönem träumen und sich hoffentlich auch (immer noch) auf das Aufwachen freuen!

P.p.s.: Angstbesessene Menschen können schlecht oder gar nicht denken, sehen und hören schlechter als angstfreie oder -befreite, können daher auch wenig(er) oder nichts Neues lernen. Mich erschreckt, wenn ich sehe oder davon höre, wie vielen Kindern heute schön früh eine Lernbehinderung oder -störung diagnostiziert wird … Eine unbeschwerte Kindheit, die vermutlich alle Eltern ihren Sprösslingen bescheren möchten, sieht für mich anders aus.

P.p.p.s.: Menschen, die sich im eigenen Haus, in der eigenen Heimat, nicht (mehr) sicher fühlen, versuchen (immer wieder), in die Angstfreiheit zu flüchten. Wenn wir allerdings so weitermachen wie bisher, d.h. zulassen, dass sich Menschen gegenseitig Angst machen, um sie sich hinterher mit ihren Sicherheitsversprechungen und Produkten, die dem eigenen Schutz dienen sollen, – von Gesundheitswaren oder Hygieneartikeln über Versicherungen bis hin zu Atomwaffen – wieder zu nehmen, wird es auf dieser Welt bald keine Orte mehr geben, wo wir Menschen uns von unseren Ängsten und Sorgen erholen können, um irgendwann entspannt in unser Zuhause – dorthin, wo wir leben wollen, ohne immer wieder umziehen zu müssen – zurückzukehren.

 

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Dank für das Foto gebührt Patrick Tomasso (auf Unsplash)!

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