Zwischen wissen müssen, glauben wollen und vertrauen können

Unser Leben als Lernprozess

Unser modernes Leben ist heute im Prinzip lebensfremd – weil wir uns nicht mit unserer Natur, sondern von ihr weg entwickelt haben.
Viele Menschen wissen nicht (mehr), weil es ihnen niemand beibringt, was ihr Körper, ihr Geist und ihre Seele wirklich, also von Natur aus brauchen, um damit ein möglichst langes gesundes und glückliches Leben führen zu können.

Was wir wissen müssen, geben uns andere oder die Politik vor.
Was wir glauben (wollen), passt oft irgendwann nicht mehr mit dem zusammen, was wir erleben.
Viele von denen, denen wir einmal vertraut haben – viel von dem, auf das wir im Leben zählen, worauf wir uns verlassen – wird immer wieder enttäuscht.

Statt selbst darüber zu entscheiden, was wir im Leben lernen, was wir tun und (sein) lassen wollen, was wir mitnehmen oder loslassen wollen, werden wir entweder gelenkt oder dazu verführt, andere zu beeindrucken und -flussen, werden wir immer mal wieder verlassen oder verlassen Menschen, die uns einmal viel bedeutet haben. Manchmal werden uns Dinge genommen, an anderer Stelle nehmen wir uns, was wir wollen – ohne Rücksicht auf dabei entstehende Schäden oder Verluste.

Unser aller Leben ist eine manchmal unendlich erscheinende Geschichte aus Freud‘ und Leid, die viele Menschen – ich habe den Eindruck, dass es aktuell immer mehr werden – möglichst schnell wieder beenden und oder möglichst glimpflich hinter sich bringen möchten; auch ohne sich die Zeit zu nehmen, das eigene Glück, also langanhaltende Freude zu finden. Mit Hilfe von möglichst viel Spiel und Spaß, Unterhaltungsmedien, Medikamenten, Alkohol und anderen Stimmungsaufhellern oder Schmerzmitteln, versucht immer noch ein beträchtlicher Teil von Menschen, sich möglichst lange künstlich in einer modernen Welt mit ihren Annehmlichkeiten am Leben zu erhalten statt ein möglichst natürliches, naturnahes und „lebensechtes“ Leben führen zu wollen.

Das, was heute in der Welt vieler Menschen vor allem zu zählen scheint, ist ein materialistisch bzw. auf unseren materiellen Organismus und seine Sinnesorgane ausgerichteter Verstand, das heißt, ein Verstand, der auf Dinge ausgerichtet ist, die unsere Augen sehen, unsere Ohren hören oder andere Sinnesorgane auf materieller Ebene wahrnehmen können. Alles, was nicht mit wissenschaftlichen Methoden messbar oder erklärbar ist, ist entweder gesellschaftlich nicht anerkannt oder macht Angst, weil es nicht verständlich, also mit unserem menschlichen Verstand fassbar ist: Erfahrungen wie (verlorene) Liebe, (erschütterter) Glaube oder (zerstörtes) Vertrauen werden heute in vielen menschlichen Gesellschaften entweder ignoriert, belächelt oder gezielt unterdrückt bzw. oft für eigene Zwecke, materiell ausgerichtete oder ideologische, wenig lebensechte, naturnahe, menschenfreundliche Ziele benutzt.

Einige Menschen, viele davon in gesellschaftlichen „Randgruppen“ – ich glaube zwar, dass es täglich mehr werden und viele davon auch in der Mitte unserer Gesellschaft, weil ich die subjektive Erfahrung mache, ihnen zu begegnen, aber vielleicht waren sie schon immer da – scheinen das wie ich zu sehen, erkannt oder am eigenen Leib erfahren zu haben, dass das Leben nicht so ist, wie es uns andere Menschen, vor allem in unseren modernen, als glaubwürdig oder offiziell betitelten, Medien und Organisationen tagtäglich und in Wiederholungsschleifen weismachen wollen.
Menschen lernen, wie alle Lebewesen, selten etwas beim ersten Zusehen oder Zuhören: Neue Lerninhalte müssen anknüpfen können an etwas, das bereits da ist.
Und da ist nur, was mit Emotionen oder persönlichen Interessen verbunden ist, die wiederum auf persönlichen Erfahrungen beruhen, die wiederum mit Emotionen verbunden sind …

Am Anfang unserer Menschheitsgeschichte, am Anfang aller Lern- und Entwicklungsprozesse, war definitiv weder das Wort noch ein Urknall!
Am Anfang war entweder die Idee dazu oder das Gefühl, etwas sagen oder erschaffen zu müssen.
Vielleicht ist auch (jemandem) einfach ein Licht aufgegangen?

Ich glaube jedenfalls, dass wir Menschen noch lange nicht ausgelernt haben.
Ich möchte darauf vertrauen, dass wir als Menschheit alle gemeinsam eine Zukunft in dieser Welt – auf dieser Erde – haben.
Ich weiß heute glücklicherweise, dass ich in erster Linie mir – meinem angelernten Wissen, meinem Gefühl und meiner Intuition – vertrauen kann, und ich glaube auch, dass ich ein paar wichtige Menschen in meinem Leben gefunden habe, die sich mein volles Vertrauen verdient haben – obwohl ich das in meinem fortgeschrittenen Alter und mit meinen Lebenserfahrungen ziemlich streng prüfe!

Das Leben ist nicht einfach und Lernen fällt mit zunehmendem Alter immer schwerer, aber wenn man nicht nur verstanden hat, wie es schlecht läuft, sondern auch gut laufen kann, kann es – trotz eigener Trauer oder Schmerzen und dem Leid vieler anderen, ganz ohne auf Kosten anderer gehen zu müssen – jeden Tag auch viel Spaß machen!
Ich hoffe, dass alle Kinder dieser Erde, auch die erwachsenen, irgendwann nur noch mit Neugier und Freude, ohne die Angst, in irgendetwas zu versagen, lernen (können), und denke, damit wäre auf jeden Fall immer ein guter neuer Anfang gemacht!
Ich bin zwar leider ziemlich sicher, dass es auf dieser Erde (noch) keine Menschen gibt, die sich dazu als LehrerInnen eignen würden; aber alle zusammen würden wir das – mit genügend Achtsamkeit, Geduld miteinander und gegenseitigem Respekt – vielleicht sogar einigermaßen gut hinkriegen.

P.s.: Wenn Menschen denken, sie müssten – statt es fühlen und intuitiv „richtig“ handeln zu können – erst wissen, indem sie es gesagt bekommen, wie man sich „richtig“ solidarisch mit anderen Menschen verhält, glauben sie den Worten von Menschen, denen sie – wider besseren Wissens – auf Teufel komm‘ ‚raus vertrauen wollen. Ich glaube fest, dass Menschen, die – trotz und wegen ihrer Lebensfahrungen, aus denen sie viel gelernt haben – noch Vertrauen in sich selbst und ihr Menschsein sowie auch in den Rest der Menschheit haben, immer (wieder) genau wissen, was sie tun müssen – auch wenn sie hin und wieder diesen mentalen Halt verlieren oder von ihrem (Lebens-)Weg abkommen.

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Dank für das Foto gebührt Tim Mossholder (auf Unsplash)!