Sauberkeit und Ordnung sind nicht generell gesund

Dein inneres Strahlen dabei ist wichtiger!

Heute ist bei mir Fensterputzen angesagt – weil laut Mondkalender ein Lufttag ist, und weil die Scheiben sich an diesen Tagen wie von alleine reinigen sollen, wenn man ihnen dabei nur ein bisschen hilft.

Nein, so einfach ist es leider nicht; aber ich brauche einen Anlass, um Fenster zu putzen – denn mir macht Dreck nicht so schnell schlechte Laune, weil ich ihn leicht ignorieren kann: damit, dass es ein bisschen schummriger in der Wohnung ist und nicht jeder einfach zu uns herein schauen kann, kann ich mich gut abfinden, und wenn ich etwas von Nachbarn wissen möchte, also was sie zu etwas denken, dann frage ich sie.
Wenn ich klare Sicht haben will, kann ich nach draußen gehen; da bin ich im Prinzip eh viel lieber als in geschlossenen Räumen.

Aber seitdem ich beschlossen habe, mit in einem Haus zu leben, das ich mir auch bis ans Ende meiner Tage als Zuhause vorstellen kann, fällt mir immer mehr auf, wie wichtig es ist, langfristiger zu denken. Wenn man für eine gewisse Zeit in einer Wohnung lebt, aber weiß, dass man dort nicht für alle Ewigkeit bleiben möchte, macht man sich wenig – wie man beim Auszug manchmal feststellen muss, vielleicht auch zu wenige – Gedanken darüber, auch die Teile in Ordnung zu halten, die man selten zu Gesicht bekommt, die aber beim Auszug zurückbleiben, wie zum Beispiel diverseste Schrank-und Zimmerecken oder Fenster-Innenrahmen.

Ich kann mir vorstellen, dass es manche Menschen krank macht, immer wieder feststellen zu müssen, dass sich auch an Stellen innerhalb von Wohnräumen Schmutz ansammelt, ohne dass sie direkt dafür verantwortlich sind.
Wenn ich Dreck mache und Unordnung anrichte, bin ich auch gerne bereit, ihn hinterher zu entfernen.
Aber zu Staub, Luftfeuchtigkeit, Kalk und Fettablagerungen auf Oberflächen trage ich nur indirekt und nicht unbedingt gleich sichtbar bei.
„Leider“ mache ich besonders in der Küche viel selbst, so dass dort ständig viel Geschirr und diverse Küchenhilfen, aber auch Bratfett oder Mehlstaub in Umlauf gebracht werden.
Ich, als Mensch, der weiß, dass auch das Chaos bestimmten Regeln folgt, lässt sich nicht so schnell von Unordnung aus der Fassung bringen. Wenn mir allerdings irgendwann auffällt „Oh, das sieht jetzt langsam auch für meine Augen nicht mehr schön aus“, reicht es leider meistens nicht, mit warmem Wasser und einem Lappen darüber zu wischen.
Dann fängt das schwierige Unterfangen für mich als Öko und Gesundheitsforscherin an, möglichst gesundheits- und umweltfreundlich für Sauberkeit zu sorgen.
Leider bin ich unter Menschen aufgewachsen, die Putzen eher als Übel denn als notwendig für den Erhalt der Räume, in denen sie sich wohl fühlen, angesehen haben und von denen ich wenig über altbewährte, ressourcenarme, aber (vorbereitungs)zeit- oder kraftaufwendige Hausmittel und Hausfrauentricks gelernt habe. Dank neuer Entwicklungen und Werbung gab es immer mehr effektive und trotzdem umweltfreundliche Produkte, die das Leben so viel einfacher und den anstrengenden Hausputz mit viel körperlichem Einsatz zu einer leichten Übung gemacht haben.

Der größte Teil von Haushaltsprodukte ist reines Gift, nicht nur in meinen Augen, sondern auch für unseren menschlichen Organismus und viele andere Lebewesen. Die Natur ist nicht dazu gemacht, jederzeit möglichst sauber auszusehen und dafür Putzmittel zum Einsatz zu bringen, die nur einseitigen Nutzen und viel Schaden mit sich bringen – sie reinigt sich selbst umweltfreundlich: Lebewesen putzen sich und die „Räume“, in denen sie leben, soweit es für ihr Leben notwendig ist, mit Hand- oder Zungen- oder ganzem körperlichen Einsatz; mit Hilfe von Wasser, Erden oder Gesteinen, Feuer oder Luft. Ich habe noch kein Lebewesen beobachten können, das beim Putzen nicht so aussah, als würde es das mit Begeisterung tun und als wäre es hinterher nicht stolz oder zufrieden mit sich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eines davon mit Grauen daran denkt, das bald wieder tun zu müssen.

Ich bin überzeugt, dass alle freien Lebewesen, also alle außer den domestizierten und den Menschen das, was sie tun müssen, um zu (über-)leben, mit Freude und Begeisterung tun.
Ich bin nicht begeistert davon, sauber machen zu müssen; aber ich erkenne den Sinn darin, die Dinge, an denen ich Freude habe, möglichst sauber und in Ordnung zu halten, wenn ich sie auf lange Zeit erhalten möchte – nicht nur, weil sie irgendwann zu unansehnlich aussehen, sondern weil einige, wie Dichtungen, einfach irgendwann ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen können, wenn Staub oder andere Ablagerungen sie daran hindern.
Ich erkenne außerdem den Sinn darin, mir Zeit dafür zu nehmen bzw. sinnvoll zu planen, wenn ich möglichst umwelt- und kräfteschonend unser Haus sauber und auch mich dabei einigermaßen strahlend halten möchte.

Deshalb zurück zum Lufttag bzw. Mondkalender: Ich habe festgestellt, dass es Zeitpunkte gibt, an denen Dinge einfach überhaupt keinen Spaß machen wollen, weil so ziemlich alles schief läuft; und ich habe gelernt, dass bestimmte Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsverhältnisse zum Fensterputzen ziemlich ungeeignet sind, weil Schlieren dann so gut wie unvermeidbar sind. Also: Lufttage! Eigentlich sind die Wassertage im abnehmenden Mond eher zum Putzen geeignet, so dass ich noch unsicher bin, ob ich die Komplett-Grundreinigung bis in den Außenrahmen lieber noch zwei Tage aufschiebe …
Aber ich weiß, wie froh ich sein werde, wenn ich wenigstens schon mal angefangen habe. Ich weiß, dass es Dinge gibt, mit denen man nie fertig sein wird, weil sie einfach immer wieder sein müssen. Also kann ich mir die schlechte Laune deshalb auch sparen und mich über die körperliche Abwechslung freuen; mit ein bisschen unterhaltender Musik lässt sich vielleicht sogar eine Choreografie draus machen?

Ich glaube, mit ein bisschen mehr Kreativität wären viele Häuser und Wohnungen vielleicht nicht unbedingt sauberer oder ordentlicher; aber die Menschen darin bestimmt glücklicher und gesünder.
Lass‘ mich wissen, wenn Du kreative Ideen für mich hast, richtig dreckige Fenster möglichst schnell und umweltfreundlich, also möglichst ungiftig, (ab)wasser- und andere Ressourcen sparend, sauber zu kriegen! 😉

P.s.: Ich arbeite schon mit Natron, Soda und Essig, bin aber überzeugt, dass es noch viele Handkniffe oder hilfreiche Werkzeuge und nachvollziehbarere Tipps zum „richtige Zeitpunkt“ als den Blick in den Mondkalender gibt, die Reinigungsarbeiten erleichtern – verrate sie bitte, wenn Du welche hast!

P.p.s.: Hat sich außer mir und wenigen anderen noch niemand gefragt, wer – ohne es je öffentlich zur Debatte zu stellen und demokratisch darüber abstimmen zu lassen – eigentlich festgelegt hat, dass wir uns ordentlich verhalten, Abstände zu Menschen, die wir lieben, einhalten, Masken tragen und uns ohne Krankheitssymptome in Quarantäne begeben müssen, wenn wir das nicht wollen, weil wir keinen Sinn darin sehen? Aber ich weiß zum Glück auch, dass Bußgelder meist schnell fallengelassen werden, wenn man sich um seine eigene Gesundheit und das seiner Lieben sorgt und bereit ist, dafür einzustehen, sich also informiert und weiß, welche Rückfragen und -forderungen man als BürgerIn eines Staates stellen darf, der sich (noch) Demokratie nennt.

 

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Dank für das Foto gebührt Anton (auf Unsplash)!