Du musst nicht derselben Meinung wie andere sein!

Aber hör‘ auch auf, wütend auf die zu sein oder über die zu lachen, die nicht Deiner Meinung sind!

Ich habe lange Zeit nicht verstanden, warum Menschen es als Angriff gewertet haben, wenn ich ihnen in etwas widersprochen habe. Ich bin selten genau derselben Meinung wie andere. Ich sehe viele Dinge anders. Ich empfinde sie anders.
Heute weiß ich, dass die meisten Menschen Zustimmung brachen, um hinter ihrer Meinung stehen zu können – weil sie zu viel Angst haben, sie alleine zu vertreten. Heute vermute ich, dass diesen Menschen, die wütend auf mich waren, entweder meine Meinung sehr wichtig war, oder sie immer Bestätigung für das brauchen, was sie sagen, weil sie wenig Selbstvertrauen haben.

Ich habe mich selbst lange Zeit darüber geärgert, wenn andere Menschen in meinen Augen gefühllose Taten verteidigt haben: dass sie Fleisch und andere Produkte essen, für die Tiere und die Natur ausgebeutet werden; nicht auf die Herkunft dessen achten, was sie kaufen; nicht versuchen, unnötigen Müll zu vermeiden, indem sie sich genau überlegen, ob es nicht Alternativen zu dem gibt, was in ihrem Leben besonders viel Müll produziert.
Ich habe es hinnehmen müssen, weil ich lange Zeit alleine war mit meiner Meinung bzw. meinem möglichst umfassenden Boykott von Dingen, die ich nicht mit gutem Gewissen kaufen oder konsumieren kann. Ich informiere mich gerne; und ich bin nicht gut im Verdrängen. Ich bin nicht gut darin, Dinge einfach nur mitzumachen, weil eine Mehrheit sie für gut befindet, wenn ich weiß, dass sie das für mich nicht sind.

Heute weiß ich aber auch, dass Menschen unter den unterschiedlichsten Zwängen stehen, dass sich viele abhängig gemacht haben von anderen, mit denen sie sich gut stellen „müssen“, wenn sie keinen Ärger haben wollen.
Heute weiß ich, dass viele Menschen gar nicht so viel wissen wollen von der Welt, weil sie sich lieber mit dem zufrieden geben, was sie auch im Auge behalten können; weil sie sich überfordert fühlen von zu viel Information.
Heute weiß ich, dass viele Menschen nicht gerne diskutieren, weil sie dabei in ihrem Leben meistens oder immer nur verloren haben.
Heute weiß ich, dass es herrschende Meinungen gibt, schon immer gab, denen sich die Menschen untergeordnet haben, und dass es auch auf deutschem Boden noch nie eine echte Meinungsfreiheit gab, seitdem menschliche Gesellschaften begonnen haben, sich HerrscherInnen, also auch der Mehrheit, die diese HerrscherInnen gewählt hat, unterzuordnen.
Heute kann ich genau beobachten, wie herrschende Meinungen gemacht werden – über das Fernsehen, Radio, öffentliche Leitmedien; aber genauso über die renommierten wissenschaftlichen Zeitungen und Zeitschriften.

Alles, was nicht gedacht werden darf, wozu sich niemand eine eigene Meinung bilden soll, sind Verschwörungstheorien, Spinnereien, Pseudowissenschaften. Die Menschen, die sie verbreiten, sind VerschwörungstheoretikerInnen, Spinner und Pseudo- oder zumindest Nicht-WissenschaftlerInnen, denen man sich nicht anschließen sollte, wenn man nicht selbst zu diesen ExtremistInnen und Wahnsinnigen gezählt werden möchte..
Sie sind angeblich unglaubwürdig; und an etwas glauben möchte jeder Mensch, möchtest Du vermutlich auch.

Glaub‘ doch zur Abwechslung heute einfach mal nur an Dich. Vertrau‘ auf das, was eine leise Stimme in Deinem Kopf, Dein Bauchgefühl oder Herz Dir sagt, nicht was aus dem Radio oder Fernseher tönt; auf das, was Du spürst, wenn Du etwas liest, nicht auf das, was Du bei Sensationsmeldungen spüren sollst.
Sei‘ mal nicht sofort traurig über das, was Du hörst oder liest; frag‘ Dich zuerst, ob das, was Du hörst oder liest, überhaupt stimmt!
Frag‘ Dich, ob und wie Deine Meinung gelenkt wird mit emotionalen Bildern, mit Schlagworten, mit denen Menschen oder Menschengruppen mit eingängigen versehen werden, auf die unser menschliches Gehirn leicht anspringt.
Frag‘ Dich, ob Du schon eine eigene Meinung dazu hast?
Frag‘ Dich, wann und ob Du sie Dir überhaupt selbst gebildet hast?
Hattest Du je eine, an die Du Dich erinnern kannst?
Oder hast Du Dich bisher eher einfach Menschengruppen mit einer bestimmten Meinung angeschlossen, die Du „eins zu eins“ übernehmen konntest?
Hast Du jemals jemandem in Deinem sozialen Umfeld widersprochen?
Wie viele unterschiedliche Meinungen kennst und verstehst Du?
Wer widerspricht Dir nie bzw. ergänzt Deine Meinung nie um seine eigene?

Wenn Du als Mensch Dich und Deine Meinung nicht ernst genommen fühlst, hörst Du auf, Deine Meinung zu sagen oder fängst als Kind gar nicht erst an, sie überhaupt zu formulieren. Es gibt andere Wege, sich auszudrücken.
Wenn Du Dich selbst und Deine Meinung zu ernst nimmst, wirst Du leicht ungerecht und herablassend gegenüber anderen und darfst Dich nicht wundern, wenn sie sich von Dir distanzieren, möglichst wenig oder gar nicht mehr mit Dir kommunizieren wollen.
Wenn Du Dich selbst und Deine Meinung nicht ernst genug nimmst, wenn Du denkst, sie würde nichts zählen in dieser Welt, dann irrst Du Dich gewaltig und Dein Körper, Dein Geist oder Deine Seele wird Dir irgendwann das Gegenteil beweisen!

Dann ist die Frage, was Du daraus machst.

Ich persönlich habe vieles noch nie so ernst genommen, wie es für andere im ersten Momente geschienen haben mag; heute überlege ich noch mehr, spüre in mich hinein, recherchiere umfassender, bevor ich jemandem oder einem Informationsmedium mein Vertrauen schenke.
Ich persönlich nehme etwas ernst, wenn ich das Gefühl habe, dass ich es ernst nehmen sollte, nicht weil mir jemand Angst machen möchte mit dem Ernst des Lebens, den ich selbst gar nicht so sehe, oder mit etwas anderem, vor dem er/sie selbst Angst hat.
Aber auch dann recherchiere ich oft sicherheitshalber noch einmal nach, um mich selbst zu versichern, um mich abzusichern, dass ich nicht etwas Wichtiges übersehen habe, was meine Meinung ändern könnte.

Ich weiß, dass die Welt voll ist von Meinungen, von Ideen und Informationen dazu. Ich weiß, dass es für viele Menschen schwer ist, „wahre“ von „falscher“ Information zu unterscheiden.
Aber Du machst einen Denkfehler, wenn Du glaubst, Menschen würden Dich absichtlich belügen wollen oder können, ohne dass Du sie enttarnen könntest.
Menschen lügen, wenn sie sich in Ecke gedrängt fühlen. Menschen verbreiten Falschmeldungen, wenn das ihr Job ist, es ihnen also jemand vorgibt. Menschen leiten Dich in die Irre, weil sie sich einen Spaß daraus machen, über den sie Dich aber irgendwann aufklären.
Echte Menschen sind keine guten LügnerInnen, manche habe nur eine wahnsinnig große oder größenwahnsinnige Fantasien. Du kannst ihnen das aber leicht ansehen; Du kannst es in ihren Augen erkennen; Du kannst es an ihrer Stimme hören.

Wenn Du also wissen willst, wer Dich tatsächlich belügt, wessen Meinung, die Dich vielleicht sogar verzweifelt oder wütend macht, Du nicht allzu leichtfertig übernehmen solltest, musst Du „nur“ herausfinden, wer im Auftrag anderer handelt, wer SchauspielerIn ist oder einen guten Job, z.B. als VerkäuferIn, ExpertIn, Arzt oder Ärztin, LehrerIn, JournalistIn, macht, um zu wissen, wer auch gut lügen kann.

Schließ‘ Dich also nicht leichtfertig jeder Mehrheitsmeinung an, auch wenn sie von den angeblich Besten gemacht wird.
Pass‘ auf, dass Du nicht irgendwann zum Opfer der Fantasien und Erfindungen anderer wirst, – die sogar bereit sind, Menschen für die Umsetzung ihrer Ideen zu opfern, – weil Du sie zu unreflektiert zu Deinen eigenen Vorstellungen von der Welt machst.
Lach‘ nicht allzu laut über die Meinung von Minderheiten, und ärgere Dich nicht allzu sehr über Dinge, die angeblich alle anderen machen.
Vielleicht tun sie das gar nicht oder würden es gar nicht tun wollen, wenn sie mehr wüssten und sich trauen würden, ihre eigene Meinung zu sagen und auch für sie einzustehen.
Hör‘ vor allem auf, wütend auf andere zu sein, wenn Du

  • selbst keine Lust hast, Dir Zeit dafür zu nehmen, Dir eine eigene Meinung zu bilden;
  • keine Lust hast zum Lesen;
  • keine Freude am Diskutieren, am Meinungsaustausch hast, weil Dir dabei Argumente fehlen, die jede/r braucht, der/die wirklich hinter der eigenen Meinung stehen will.

Die Welt wäre ein friedlicherer Ort, wenn nicht so viele Menschen wütend aufeinander wären, weil andere nicht mehr mit ihnen oder über bestimmte Themen reden wollen, sich nicht zur Aussprache mit ihnen an einen runden Tisch setzen, (Friedens-)Verhandlungen führen und Verträge schließen wollen.
Mir macht Hoffnung, dass ich kleine Fortschritte einer großen Friedensbewegung für den Ausruf des 1. Weltfriedens sehen kann, der vielleicht schon bei der dritten Haager Friedenskonferenz beschlossen worden wäre, hätte sie nicht der erste Weltkrieg verhindert.
Auch wenn sie es noch nicht bis in die Medien geschafft hat, deren Aufgabe es ist, weiterhin vorgefertigte – kriegspropagandistische, zum Kampf statt friedlichen Widerstand aufrufende – Meinungen zu liefern … – Regierungen oder globale Unternehmen, die diese Medien finanzieren, werden nicht ewig verhindern, dass voneinander getrennte und isolierte Menschen, die sich lieben, wieder zueinander finden.

Denn ich kenne niemandem, – der/die nicht vorher indoktriniert wurde, dem/der gezielt die Meinung in den Kopf gesetzt wurde, dass Kriege überlebenswichtig und manchmal unvermeidbar seien, oder der/die von der Kriegsindustrie lebt und abhängig ist, – der/die  der Meinung widersprechen würde, dass die Welt ohne Kriege eine schönere und der Weltfrieden ein anzustrebendes Ziel wäre.

Oder bist Du anderer Meinung?

P.s.: Bist Du tatsächlich der Meinung, gesund aussehende Menschen könnten Dich mit einem lebensgefährlichen Virus infizieren? Bist Du tatsächlich der Meinung, ein Test, der kleinste Bruchstücke von Viren findet, ist in der Lage, etwas über eine Gefahrenlage auszusagen? Bist Du der Meinung, gesundheitsschädliche Maßnahmen sind dazu geeignet, die Gesundheit von Menschen zu schützen? Bist Du tatsächlich der Meinung, ein Impfstoff könnte auf seine Langzeit(neben)wirkungen ausreichend getestet sein, der innerhalb von ein paar Monaten auf den Markt gebracht wurde? Bist Du tatsächlich der Meinung, mann muss sein Leben riskieren, um dem Tod davonzulaufen?
Dann sind wir offensichtlich komplett anderer Meinung, was das Leben und Lebensgefahren betrifft. Aber ich bin ja auch nur Lebenswissenschaftlerin.

 

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Dank für das Foto gebührt Kajetan Sumila (auf Unsplash)!

 

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