Das Naturgesetz des Wünschens

„Nur wenn Du etwas träumen kannst, kannst Du etwas auch erreichen.“

Ich habe den Eindruck, Walt Disney hat verstanden, dass Träumen nicht einfach ein „Seele-baumeln-lassen“ ist, sondern viel Vorstellungs- und Tatkraft erfordert, damit das, was man sich erträumt, also wünscht, auch in Erfüllung gehen kann. Es ist unrealistisch, sich etwas zu wünschen, was man gar nicht selbst erreichen kann. Viele „moderne“ Menschen, scheinen ihren natürlichen Ursprung und die Möglichkeiten, die in ihnen selbst liegen, vergessen zu haben, weil sie heute kaum jemand noch daran erinnert. Lieber verbringen sie damit oder dafür ihr Geld, anderen ihre Wünsche zu erfüllen, oder lassen sich selbst weismachen, dass es unmöglich wäre, die eigenen Träume zu realisieren, ohne dass man dafür vorher Geld verdient oder Einfluss gewonnen hat, mit dem man sie sich dann erfüllen, also kaufen kann.

Wir leben daher gerade die Träume von technokratischen Sicherheits- und Kontrollfreaks, die Angst vor sich oder anderen Menschen zu haben scheinen – vor dem Menschsein mit all seinen Höhen und Tiefen; vor Krankheiten, die zum Tod führen können; vor echtem Glück, das wieder vergehen könnte – und die sie deshalb mit ihren Produkten kybernetisch, bio-, gen- oder sonst irgendwie technisch verbessern oder sogar – mit Reproduktionsmedizin, die als „Familienplanung“ verharmlost wird – nach ihrer Vorstellung (heran-)züchten wollen.
Wir leben in einer gottlosen, rein menschengemachten Welt.

  • Kein Wunder, wenn ich höre, wie gottgläubige, fromme Menschen sich den Satz „Macht Euch die Erde Untertan“ zurechtlegen; wenn ich sehe, wie sie ignorieren, dass sie dabei verantwortungsvoll handeln und sich eigentlich an Gebote wie „Du sollst nicht töten“, plus neun weitere, halten sollen,
  • Kein Wunder, wenn Religionsgemeinschaften verkünden, die Menschen wären von Natur aus schlecht und auf die Gnade eines Erlösers angewiesen, den sie schon gnädig stimmen können, wenn sie für den Erhalt von Kirchen oder für andere wohltätige Zwecke Geld spenden.
  • Kein Wunder, wenn Menschen denken, sie wären menschen- oder naturfreundliche GönnerInnen und könnten sich von ihren (Umwelt-)Sünden freikaufen, indem sie alles „Böse“ oder „Schlechte„, das sie tun, einfach mit etwas „Gutem“ wieder ausgleichen – statt zu versuchen, mit dem eigenen Leben möglichst wenig Schaden anzurichten in dieser Welt.
  • Kein Wunder, wenn so wenige Menschen erkennen, dass das menschliche Paradies durch eine Verlockung zerstört wurde, denen ein Mensch nicht widerstehen konnte.

Wir leben heute in einer Welt der Verlockungen, denen Menschen widerstehen könnten.
Und ich bin überzeugt, es wäre unsere Erlösung, es wäre das Ende so gut wie allen Leids,

  • wenn wir „einfach“ nicht allem glauben schenken würden, was sich gut anhört;
  • wenn wir nicht alles „nur mal“ ausprobieren wollten, was uns jemand anbietet – obwohl wir es noch gar nicht brauchen, also vermisst haben;
  • wenn wir nicht immer wieder der Meinung wären, wir bräuchten Dinge, die wir uns erst von anderen erklären lassen müssen, bevor wir sie nutzen können;
  • wenn wir nicht so wenig Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten und andere Menschen hätten, die uns dieses Selbstvertrauen zurückgeben möchten statt uns mit ihren Produkten immer nur weiter zu verunsichern.

Wir sind so weit von einem Paradies entfernt wie vielleicht noch nie in der Geschichte der Menschheit; aber vielleicht sind wir ihm deshalb auch wieder näher als je zuvor.
Erreichen werden wir es mit Sicherheit nicht, wenn wir weiter das mitmachen, was sich andere für uns und die Welt erträumt haben.

Es reicht eben in dieser von Menschen regierten Welt nicht immer, nur sich selbst zu fragen, wie die eigenen Träume eigentlich aussehen und sich die eigene Zukunft auszumalen – erst einmal müssten wir laut sagen, was wir uns nicht wünschen, was wir nicht (mitmachen) wollen.

Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass immer mehr Menschen den Mut dazu finden.

P.s.: Ich wünsche ein schönes Wochenende, auch wenn ich weiß, dass es illusorisch ist, anderen etwas wünschen zu wollen, was sie selbst vielleicht gar nicht erreichen möchten. Deshalb wünsche ich allen lieber keine Angst davor, das zu tun, was sie sich wünschen, oder sich wenigstens gedanklich damit auseinanderzusetzen

P.p.s.: Ich bin mir aber auch sicher, dass es nicht funktioniert, anderen etwas Schlechtes zu wünschen, andere zu verwünschen oder zu verfluchen – solange sie nicht selbst daran glauben. Ich wünscht nur, die Menschen, die wirklich grausame Dinge tun in dieser Welt, würden zurückfinden zu ihrer Menschlichkeit, zu ihrer Vernunft, Ehrlichkeit und Liebesfähigkeit – auch gegenüber sich selbst.

 

—————————————————-

Dank für das Foto gebührt Mathias Csader, der sich kürzlich sogar die Mühe gemacht hat, seine Traumzukunft – sogar mit Plan B – auf 16 Seiten mit Quellenangaben für sich, für mich und für uns, zusammenzuschreiben, so dass mich jetzt darauf konzentrieren kann, mir meinen Platz in unserer Geschichte, unserem gemeinsam Arkadien, zu schaffen!