Ja, ist denn schon wieder oder immer noch Fassenacht?

Kostümierungen für unser Alltags-Karnevalsprogramm

Maskieren; mit Gleichgesinnten zusammentun; oft streng geordnet oder sich selbst kontrollierend an Tischen herumsitzen; sich entschuldigen, wenn man „mal ‚raus muss“; und nur aufspringen, wenn es auch alle anderen tun (würden); Alkohol oder andere Drogen konsumieren und vom Unterhaltungsprogramm berieseln lassen, … Es gab vor vielen Jahren Zeiten, da hatte ich tatsächlich auch mal Spaß daran – als ich noch jung war und dachte, es geht wirklich um Spaß, also die Freude daran, sich selbst zum Affen zu machen.

Vielleicht ist mein Empfinden von Lebensfreude einfach anders als bei anderen Menschen; aber mir macht es keinen Spaß, über andere Menschen zu lachen oder mit „Humor“ über sie herzuziehen, die im Großen und Ganzen überhaupt nicht lustig sind.
Menschen, die Angst vor Coronaviren haben, sind für mich auch nicht lustig; aber es ist definitiv komisch, dass sie sich jetzt schon monatelang wie IdiotInnen aufführen, die nicht wissen, wie sie sich vor ihren körpereigenen Viren schützen können. Viele, zum Glück von Anfang an nicht alle und mittlerweile immer weniger, Menschen lassen sich jetzt fast schon ein ganzes Jahr von sogenannten ExpertInnen in den Medien mit aus ihrem Zusammenhang gerissenen Zahlen und gezielt mit Bildern, die wir sonst in der westlichen Welt eher nicht zu sehen bekommen, in die Irre leiten, oder vielmehr – sagen wir es, wie es ist – verarschen.

Nur weil Menschen die Fähigkeit zum Denken und zu vernünftigen Handlungen besitzen, heißt das allerdings noch lange nicht, dass sie sie auch zu gebrauchen wissen und sinnvoll nutzen. Diese Erkenntnis ist für mich nicht erfreulich – es frustriert, wenn man bemerkt, dass die Denkfähigkeit von Menschen davon abhängt, wie gut oder schlecht es ihnen geht. Es frustriert noch mehr, wenn man als mit anderen mitfühlendes Wesen bemerkt, dass es anscheinend immer noch viel zu vielen Menschen in diesem Land viel zu gut zum Denken und Kreativwerden geht bzw. dass viele immer noch denken, sie dürften selbst gerade nicht darüber nachdenken, dass es ihnen selbst schlecht geht, weil andere ja noch viel schlechter dran sind … Ein Teufelskreis des Nicht-Denkens unter Menschen, den sich PolitikerInnen oder ihre BeraterInnen, oder alle zusammen, schon immer schamlos zunutze gemacht haben.

Es ist nicht zum Lachen, wenn man feststellt, dass man als „erfolglose“ Biologin, die nie eine Karriere machen, sondern einfach nur leben wollte, und dadurch natürlich auch nicht als „ExpertIn“, die von renommierten GeldgeberInnen schon (Forschungs-)Preise für die eigenen „wissenschaftlichen Leistungen“ bekommen hat oder anderweitig gerühmt und geehrt wird, versucht, Menschen zum eigenen Denken zu ermuntern und ihnen mit einfachen Worten zu erklären, dass die heutige Wissenschaft keine ehrliche Wissenschaft ist und ehrlich aufklärt, also alles sagt, was wissenschaftlich bekannt ist. Ich versuche seit Monaten, Menschen begreiflich zu machen, dass es keine wissenschaftlichen Beweise dafür gibt, dass bzw. welche genau unter den Milliarden von virusartigen Strukturen Krankheiten tatsächlich verursachen; es kann sie gar nicht geben, weil eben erst alle anderen Ursachen, alle anderen Milliarden von Viren, alle Umweltfaktoren, alle Vorerkrankungen, alle psychischen Faktoren, als Krankheitsauslöser ausgeschlossen werden müssten.
Es ist tragikomisch, wenn Menschen sich aus Angst vor einer vermeintlichen Todesursache nicht nur ihr eigenes, sonder ihr komplettes gesellschaftliches Leben verderben lassen.

Mir hilft darüber kein Alkohol, keine lustigen Sprüche, kein albernes Getue hinweg.
Wer mich tröstet, sind Menschen – BiologInnen, ÄrztInnen, JournalistInnen und andere WhistleblowerInnen – in der ganzen Welt, die zum Teil seit Jahrzehnten versuchen, die Machenschaften anderer aufzudecken, unter denen sie selbst und viele andere leiden oder durch die sie Menschen verloren haben. Es sind traurige Geschichten. Und es macht keinen Spaß, sie zu erzählen; und es macht noch weniger Spaß, sie Menschen erzählen zu wollen, die sie nicht hören wollen.
Aber ich habe, weil ich es nicht mag, mich zum „Opfer von Umständen“ machen zu lassen oder selbst dazu erklären zu müssen, gelernt, damit umzugehen. Vielleicht ist es mir als Biologin dadurch ein bisschen leichter gefallen, dass ich selbst ziemlich gut weiß, wie Lebewesen, also auch Menschen, vor allem unter Stressbedingungen „ticken“.
Ich weiß auch, dass ich nur für Dinge in meinem Leben oder der Welt verantwortlich bin, die ich auch selbst in der Hand habe und beeinflussen kann; und nicht für das Leben anderer Menschen oder das, was sie tun und vor sich selbst verantworten müssen.
Ich habe festgestellt, dass Humor, und auch Karneval, für viele Menschen schon immer ein Ausweg war, um nicht an all den Dingen im Alltag, die sie gerne ändern würden, zu zerbrechen. Aber es macht mich traurig, wenn mir auffällt, wie böse und gehässig ihr Humor oft ist, ohne dass ich ihn als „gut gemachten“ Sarkasmus bezeichnen könnte; wie verbittert die Menschen also sind, die das, was sie machen, als Humor bezeichnen.

Ich lache trotzdem noch gerne. Vor allem auch immer noch über mich! Es ist besser, über sich selbst zu lachen – wie man versucht, gegen Wände zu rennen -, als sich dabei irgendwann den eigenen Kopf zu zertrümmern. Ich habe zwar seit Monaten nicht besonders viel zu lachen; vor allem weil ich feststellen musste, dass ich nicht mehr mit denselben Menschen wie noch vor nicht allzu langer Zeit kann. Mittlerweile bin ich immer glücklicher darüber, weil ich so oft gar nicht über deren Witze lachen konnte: Witze von Menschen, die auch über die aussichtslosen Versuche von Katzen lachen, die nach einem Laserpointer zu jagen. Oder Menschen, die sprechende Labormäuse, die sich über Menschenversuche amüsieren, wirklich witzig finden. Oder sich über ImpfgegnerInnen lustig machen, deren Kinder vielleicht lebenslang an Impfschäden leiden werden oder gestorben sind.

Lachen ist ja bekanntlich die beste Medizin – nur ihre Anwendung scheinen die vielen kranken Menschen dieser Welt noch nicht verstanden zu haben. Ich würde wetten, dass vor allem viele „KomikerInnen“ darunter sind, die nicht (mehr) oder wenig über sich selbst lachen können und wütend werden, wenn andere sie auslachen – selbst wenn sie wissen müssten, dass sie sich extrem dämlich verhalten. Meiner Meinung nach sollten wir – ohne in Selbstmitleid zu verfallen – viel öfters mal zusammen weinen – darüber, was wir gerne verändern würden, weil wir es für unmenschlich halten; darüber, was wir in unserem Leben gerne anders gemacht hätten, weil wir uns selbst damit geschadet oder andere damit verletzt haben. Tränen sind in meinen Augen mindestens genauso heilsam wie Lachen; und vielleicht ist der eigene Kopf hinterher sogar manchmal klarer.
Ich habe jedenfalls – weil mir klar geworden ist, wie sinnlos es ist – aufgegeben, Menschen ungefragt Dinge aus meiner biologischen Sicht erklären zu wollen, für die sie bereits ihre eigenen feststehenden Erklärungen gefunden haben. Ich versuche, mich nicht über sie lustig zu machen, wenn ich feststelle, wie absurd ihre Erklärungen für mich sind und wie wenig überzeugend es klingt, wenn die eigene Argumentationsweise Lücken hat, die man noch nicht durchdacht hat; aber ich kann mich mittlerweile immer mehr darüber amüsieren, dass 2020 als das Jahr in die Geschichte eingehen wird, in dem die Fastnacht im Alltag verordnet wurde  – weil sich so gut wie alle darin einig waren, dass es aus medizinischer Sicht Sinn macht, sich täglich zu maskieren – vor allem, sobald man sich von anderen beobachtet fühlt. Einst „brave BürgerInnen“ können auch nach Monaten noch ganz leicht in Kostüme schlüpfen, in denen sie andere bösartig diffamieren, diskriminieren oder bei Ordnungsämtern anschwärzen. Viele andere führen sich einfach wie Narren auf, die zur Abwechslung unsere Regierenden die Rolle derjenigen übernehmen lassen, die die Bevölkerung verarschen dürfen. Anfangs waren zwar vor allem selbst genähte Kostüme noch weit verbreitet, um das Gefühl zu haben, wie medizinisches Pflegepersonal oder LaborarbeiterInnen oder ÄrztInnen auszusehen; aber aus ökonomischen Gründen macht es natürlich Sinn, jetzt auch alle ordentlich geprüften Karnevalsartikel unter’s Volk zu bringen, die vorsorglich bestellt und produziert worden waren. Wer sich jetzt nicht an die immer strengeren Garderobenzwänge halten will, muss ja nicht an der Party teilnehmen – dazu wird ja niemand gezwungen! Auf Feste ohne Alkohol verzichten die meisten Deutschen vermutlich ohnehin freiwillig. Trinken können sie auch daheim.

Täusche ich mich oder ist das nicht sogar eine win-win-Situation?
Ich als alte Frohnatur vom bayrischen Main, die mit den Jahren einfach gehessischer geworden ist, würde sagen: Ein Hoch und ein dreifaches „Helau“ auf den neuen Karneval – alleine oder im engsten Familienkreis; innerhalb der Wände, in denen man sich am wohlsten fühlt; ohne die früher oder später aufdringlich werdenden Betrunkenen und ohne die vielen Reden und Sprüche, über die ich nur selten ehrlich und unbeschwert lachen konnte (auch wenn viele der Menschen, von denen sie stammten, einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben) !

HELAU! HELAU! HELAU!