Natürlich lernen …

… wir nicht für die Schule. Aber wir lernen heute auch so gut wie nichts mehr über das Leben!

Ich vermute, die meisten Menschen kennen die Fragen: „Wozu soll ich das denn lernen? Wofür kann ich das jemals in meinem Leben gebrauchen?“.
Wir kommen als lernfähige und unendlich neugierige Wesen auf die Welt. Wir wollen alles wissen und erklärt bekommen; wir suchen von klein auf nach dem Sinn hinter allem. Und wir bekommen viele Dinge erklärt, die wir gar nicht wissen woll(t)en oder in denen wir einfach keinen Sinn erkennen können.
Wir werden nie im Voraus wissen, ob wir das, was wir aus unseren guten wie schlechten Erfahrungen selbst lernen oder was uns jemand – zum Teil mit leichtem Druck oder gewaltsam – beibringt, jemals gebrauchen können; am Ende müssen wir immer selbst darüber entscheiden, was davon wir behalten und was lieber vergessen, was wir wissen und üben wollen und was nicht.

Es gibt vielleicht mehr Menschen, denen unterstellt wird, sie wüssten alles „besser“, nur weil sie sich angeblich so aufführen oder eine andere als die eigene Meinung vertreten, als Menschen, die tatsächlich „BesserwisserInnen“ sein können. Denn ob etwas „mehr“ oder „anders“ wissen gleichbedeutend mit „besser“ oder „schlechter“ ist, darüber ließe sich diskutieren …

Diskussionen sind aber in unserer modernen Welt anscheinend politisch, also mehrheitlich gesellschaftlich nicht (mehr) erwünscht; von Streitkultur scheinen die wenigsten Menschen je etwas gehört zu haben, geschweige denn ihre Anwendung gelernt.


Wem noch nicht aufgefallen ist, dass Querdenken ein freies Denken ist, das sich nicht an – von anderen – vorgegebene Bahnen hält, der/die könnte sich selbst zuerst einmal fragen, ob er/sie weiß, wozu das eigene Gehirn fähig wäre …

In meinen Augen ist es entweder naiv oder überheblich, in erster Linie aber traurig, wenn Menschen glauben, sie wären umfassend gebildet und wüssten viel oder sogar schon genug über das Leben, nur weil sie einen guten Schulabschluss hatten, erfolgreich in ihrem Beruf sind oder waren und jeden Tag die Zeitung lesen, Radio hören oder Nachrichten schauen.
Ich bin überzeugt, dass niemand, der/die tatsächlich etwas aus dem eigenen Leben gelernt hat, vor allem über sich selbst, und der/die nicht zu viel Angst davor hat, die eigenen Irrtümer und Fehlschläge zuzugeben, ernsthaft behaupten würde, er/sie könne sowohl alles aus der Vergangenheit noch ganz sicher wissen als auch prophezeien, was zukünftig geschehen wird.
Das können nur viele unserer PolitikerInnen und führenden WissenschaftlerInnen und ExpertInnen sowie ein gewisser Anteil an ÄrztInnen, LehrerInnen, JuristInnen, JournalistInnen …Vor allem Menschen, die besonders gut dastehen und Vorbilder sein wollen, bemerken oft gar nicht, wie schlecht und unglaubwürdig sie sich dabei aufführen.

Schon Kinder lernen vor allem aus dem, was sie beobachten, was sie hören und sehen, und gleichen es mit dem ab, was sie fühlen oder – warum auch immer – glauben. Sie müssen sich keine lernenden Menschen zum Vorbild nehmen, um selbst dazulernen zu wollen. Sie suchen sich ihre Vorbilder, denen sie nacheifern; und ich frage mich häufig, welche Vorbilder die Menschen wohl hatten, die heute damit ihr Geld verdienen, dass sie das Leben anderer Menschen steuern und kontrollieren, also oft auch immer strengere Verordnungen über andere Menschen verhängen.
Als Biologin habe ich nicht den Eindruck, dass sie verstanden haben, wie wir Menschen lernen, dass wir lebenslang lernfähig bleiben oder wie wir unseren naturgegebenen Spaß am Lernen, also unsere Neugier nicht verlieren.
Genau das lernen wir selten (oder noch gar nicht).
Ich sehe kaum Menschen, die offensichtlich wissen, wie man sich gegenseitig leicht beibringen, also vorleben kann, welches Wissen wirklich wichtig im Leben ist.
Ich habe z.B. nie gelernt, ich musste selbst herausfinden, wie ich am leichtesten lernen kann.
Mir hat nie jemand erklärt, wie ich konfliktfrei durch’s Leben kommen kann, wie Liebe „funktioniert“ oder wie man im Zusammenleben glücklich wird.
Mir wurde nicht beigebracht, wie ich authentisch bleiben oder mir ehrlichen Respekt verdienen kann.
Es gab bei mir kein Unterrichtsfach “ Wie prüfe ich, ob der Inhalt von Schulbüchern und Lehrplänen glaubwürdig oder sinnvoll ist, wer also Einfluss darauf nimmt und eigene Interessen damit verfolgen könnte, um mein Verhalten zu steuern?“.
Mir war bis vor Kurzem nicht klar, dass sich hinter vielen „VerschwörungsTHEORETIKERINNEN“ diskreditierte HistorikerInnen verbergen, die in meinen Augen glaubhafte Belege für ihre Theorien vorweisen können.

Stattdessen habe ich in vielen Jahren viel selbst recherchieren müssen …

Ich kann mir heute erklären, warum es trotz „Gesundheitsaufklärung“ so viele kranke Menschen gibt und warum die Klimaerwärmung trotz neuester Technologien voraussichtlich ungehindert voranschreiten wird.
Ich weiß, warum immer wieder „sinnlose“ Kämpfe stattfinden, obwohl es keinen guten Grund für Kriege gibt.
Ich habe gelernt, dass nicht nur in Deutschland, sondern fast weltweit, nicht die Menschen mit dem umfassendsten Wissen oder Rechtsbewusstsein regieren, sondern die, die ihre Machtinteressen durchzusetzen versuchen, also Recht haben oder sprechen und „für Ordnung sorgen“, also Menschen kontrollieren wollen.
Es kostet Zeit, Informationen zu sammeln. Es macht nicht immer Spaß zu recherchieren; was man dabei ent- oder aufdeckt, ist nicht immer angenehm. Die Lust am Lernen kann dadurch auch verloren gehen.

Zum Glück gibt es noch genügend wissbegierige Menschen, mit denen man sich leicht zusammentun und vernetzen kann. Es macht mir immer wieder neuen Mut, festzustellen, dass ich – so wie es mir viele Gesellschafts– oder RegierungskritikerInnen vormachen – mit jeder neuen, zusätzlichen Information sicherer und friedlicher in meiner Argumentationsweise werde.
Die aggressivsten Menschen, die mir begegnen oder die ich auf Bildschirmen beobachten kann, sind immer die, die offensichtlich aufgehört haben, lernen und sich weiter entwickeln zu wollen; die lieber nur noch maschinenartig ihr „Wissen“ anwenden, das ihnen beigebracht wurde oder das sie sich im Laufe ihres Lebens antrainiert haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie noch viel Freude am Leben haben.
Lernfähige Menschen wissen, dass täglich neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden können; wir also jeden einzelnen Tag etwas dazulernen könnten. Ich glaube, viele Menschen haben nur Angst, dass ihnen der Kopf davon platzen könnte.

Deshalb wäre es in meinen Augen, nicht nur für Kinder und Jugendliche, besonders wichtig zu lernen, wie man mit Informationen umgeht, wie man eigene „Denkfehler“ (die aus anerzogenen oder angelernten Glaubenssätzen entstehen können) enttarnt und wo man Hilfe findet, wenn man sich im Informationsgewirr unserer Zeit nicht mehr zurecht findet.

Denn: Wer kann mehr über uns lernen als wir selbst?
Wer außer uns selbst kann die Verantwortung für uns und unser Leben übernehmen?
Was ist wichtiger und was können wir selbst mehr beeinflussen als unser eigenes Leben?

Den Menschen, die uns unsere Bildung ermöglichen, ist unser aller Leben nichts wert, solange wir nicht irgendwann für sie arbeiten.
Das habe ich auch gelernt, auch wenn ich es mal nicht geglaubt habe.
Was ich allerdings noch nicht verstanden habe, wofür ich noch keine plausible Erklärung gefunden habe, ist: Warum setzen wir nicht unsere im Überfluss vorhandenen und noch lange nicht ausgeschöpften, geistigen Ressourcen (wir nutzen nur einen kleinen Bruchteil der Möglichkeiten, die uns unser Gehirn, unser menschliches Bewusstsein bietet!) dafür ein, nachhaltiger und achtsamer im Umgang mit den Ressourcen der Erde oder auch unseren körperlichen und seelischen zu leben, sie also vernünftiger oder gerechter zu verteilen und nicht einseitig auszubeuten?

Im Moment warte ich erst einmal neugierig darauf, was wir alle noch alles aus dem Jahr 2020 und der sogenannten „Corona-Pandemie“ lernen werden; aus unseren öffentlichen Leitmedien kann ich bisher nur entnehmen, was unkritische ZuschauerInnen, HörerInnen oder LeserInnen in diesem Land, die also weder Quellenangaben überprüfen noch Fragen zur Relation von Zahlen stellen oder sich zusätzlich aus anderen Quellen informieren, glauben soll!

 

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Dank für das Foto gebührt Mathias Csader, der mir mehr oder weniger geduldig eigentlich täglich etwas Neues beibringt und sich gleichzeitig, vor allem seitdem ich meinen „Unterrichtsstil“ überarbeitet habe, immer auch noch von mir bele(e)hren lässt!