Für die LebensretterInnen und Gutmenschen unter uns

Auch Zeit und Liebe sind begrenzte Ressourcen

Es fühlt sich gut an, wenn man gerettet wird; wenn unerwartet oder -verhofft Hilfe aus dem Nichts auftaucht.
Aber gar nicht jede/r sucht Hilfe. Nicht alle Menschen und Tiere wollen gerettet werden bzw. würden auch noch gerettet werden wollen, wenn sie darüber aufgeklärt wären, was sich manche „RetterInnen“ von der Rettung erwarten bzw. was dafür – als Gegenleistung – von ihnen selbst erwartet wird, in welche Abhängigkeiten sie sich also durch ihre „Rettung“ begeben (müssen). Denn die wenigsten „LebensretterInnen“ oder sogenannten „PhilanthropInnen“ und „TierschützerInnen“ handeln uneigennützig, subjektiv oder nachhaltig durchdacht: Wenn objektiv „Jedes Leben zählt“, ist nach der Rettung noch lange nicht genug Zeit und/oder Platz vorhanden, um es als Subjekt, als Lebewesen, weiterhin gut versorgen zu können oder ihm ein möglichst sorgloses, lebenswertes Leben bereiten zu können.

Falsch verstandene Tierliebe“ nennen Menschen das sogenannte animal hoarding; falsch verstandene Menschenliebe – Mitleid statt Verständnis und Empathie – nenne ich das, was ich an vielen Stellen dieser Erde beobachten kann: Menschen, die nicht einmal auf die Frage antworten können, ob sie (noch) leben möchten, werden zum Teil gegen ihren Willen (z.B. gegen ihre Patientenverfügung) am Leben erhalten; Abtreibungsverbote verhindern, dass vor allem gewollte, geliebte, Kinder auf die Welt kommen; dafür entscheidet die Reproduktionsmedizin darüber, welches Leben lebens- und schützens-, also liebenswert ist.
Ich frage mich oft, wie lange diese verrückte Menschen-Welt noch zu retten ist. (Ich zähle ein bisschen darauf, dass die, die den Bezug zur Natur am meisten verloren haben, sich gerade selbst ausrotten und sich dafür einen Darwin-Award verdienen – indem sie sich aus Angst vor einem oder ein paar wenigen unter den Milliarden von Viren, mit denen wir seit jeher zusammen leben müssen“, lieber unberechenbare menschengemachte und „-geprüfte“ Impfstoffe spritzen lassen, die das eigene, natürliche und lebenswichtige Viriom oder Immunsystem angeblich nicht schädigen …)

Es ist jedenfalls eine zunehmend lieblosere, seelenlose, eben objektivere Welt: wenn Menschen viel oder die meiste Zeit damit verbringen oder ihr Geld damit bzw. dafür verdienen, das Leben anderer – denen es anscheinend schlechter geht – zu retten, bleibt ihnen oft automatisch nicht genug Zeit für sich selbst und die Menschen und Tiere, die Natur, vor der eigenen Nase. Ich habe den Eindruck, viele selbsternannte Gutmenschen und LebensretterInnen schaffen den Spagat nicht zwischen dem, was sie tatsächlich leisten können, und dem, was sie gerne leisten würden. Wenn sie erkennen, dass ein Rettungsversuch zum Scheitern verurteilt ist, wenn „man nichts mehr machen kann“ oder gar niemand von ihnen gerettet werden „muss“ bzw. will, beginnen sie den nächsten und verringern damit die Chance, am Ende überhaupt ein Leben zu retten. Vielleicht übersehen sie dabei sogar Menschen und Tiere, die vor ihren Augen um Hilfe schreien, denen es doch eigentlich gut gehen „müsste“. Andere hatten vielleicht noch nie den Mut oder haben längst aufgehört zu schreien. Das zu unterscheiden kann man nur lernen, wenn man sich – statt in blinden oder voreiligen Aktionismus zu verfallen – sich Zeit füreinander nimmt, einander zuhört, miteinander redet.

Die Welt ist (scheinbar) voller Leid und Ungerechtigkeit – aber vor allem dadurch, dass wir andere mit uns selbst vergleichen, oft ohne je miteinander kommuniziert zu haben; nur weil viele wollen, dass es anderen „genauso gut“ geht wie ihnen selbst. Wir Menschen fragen uns gegenseitig viel zu selten, was wir individuell, subjektiv, wirklich brauchen oder wollen; sondern drängen uns mehr oder weniger das auf, was uns selbst hilft oder schon einmal geholfen hat. Und es ist leider selten Zeit (für Gespräche) und Liebe.
Uns Menschen fällt es – umso mehr wir besitzen und an Wohlstand oder Unterhaltung durch andere gewöhnt haben – zunehmend schwerer, einzusehen, dass der eigene Lebensstil, die eigenen Besitztümer und „Unterhaltungsmedien“, die gleichen Nahrungsmittel, nicht für alle anderen genauso sinnvoll sind wie für uns selbst; wohlhabenderen Menschen fällt es oft schwer, Glück mit einem einfachen, in ihren Augen „harten“, Leben in Verbindung zu bringen.
Viele Menschen können schwer akzeptieren, dass andere nicht auch das wollen, was sie selbst wollen. Einigen fällt es extrem schwer, die individuellen Freiheiten anderer zu respektieren: weil sie sich, ihren Lebensstil, ihr Weltbild, dadurch bedroht sehen.

Mir bleibt nur die Hoffnung, dass irgendwann die Mehrheit der sogenannten LebensretterInnen erkennt, was wir tun könnten, um unsere aller Überleben zu retten: nicht ein paar wenige dafür zu bezahlen, dass sie sich darum kümmern, sondern alle unseren Beitrag leisten, Zugeständnisse machen, Erfahrungen und Besitztümer gerechter teilen bzw. Menschen den Zugang zu dem, was sie zum Überleben brauchen, erleichtern und ihnen die Möglichkeit geben, ihren Beitrag zum Leben anderer zu leisten.
Wir sind viele, so dass es schwierig wird, uns sinnvoll zu koordinieren und uns gegenseitig bestmöglich zu helfen sowie an der weiteren unkontrollierten Ausbeutung der Natur zu hindern – aber es ist notwendig, wenn wir unsere Erde, unseren Lebensraum nicht vollständig zerstören oder ein paar wenigen die Fäden in der Hand lassen wollen, um alle anderen vor dem absehbaren Hungertod zu „retten“. Ich kann nicht erkennen, dass deren Pläne menschlich sehr durchdacht sind …

Wenn wir wirklich – auch in Zukunft – möglichst viele Menschen und Tiere retten wollten, müssten wir nicht nur versuchen, Nahrungsmittel effektiver zu nutzen und gerechter zu verteilen oder nur so viele Tiere zu halten, wie nachhaltig gut versorgt werden können, sondern auch verhindern, dass immer mehr „hungrige Mäuler“ in diese Welt hinein geboren werden.
Die Natur hat es so eingerichtet, dass sich die meisten Populationen selbst regulieren, also nur eine bestimmte Nachkommenzahl produzieren – um zu verhindern, dass immer wieder viele verhungern (also an Krankheiten, die durch Nahrungsmangel und zu vielen Individuen auf zu wenig Raum sterben) oder abwandern müssen, um sich einen neuen Lebensraum zu suchen (den es vielleicht gar nicht mehr gibt).

Nur die Menschen, zumindest viele davon, haben, trotz ihres komplexen Gehirns, heutzutage immer noch nicht verstanden – wollen vielleicht einfach nicht einsehen oder akzeptieren und lieber mit ihren eigenen „Rettungs-Methoden“ Geld verdienen oder ihr schlechtes Gewissen beruhigen -, dass unzählige Menschen auf dieser Welt mehr Kinder bekommen, als sie eigentlich versorgen können; dass es viel zu viele (Haus-)Tiere gibt, als dass jedes artgerecht leben oder liebevoll gehalten werden könnte.
Es sind menschengemachte Dramen – denn wenn bekannt oder absehbar ist, dass gar nicht genug „Ressourcen“, auch in Form von Zeit und Liebe, vorhanden sind, um sich um (weitere) „Sprösslinge“ zu kümmern, gibt es ausreichend Informationen zu natürlichen Zyklen und darüber, wie sich (zukünftige) Schwangerschaften (bzw. Trächtigkeit) auch auf natürliche Weise, also sogar kostenlos, möglichst verhindern lassen.

Wo ein nachhaltiger Wille ist, gibt es auch nachhaltige Wege. Es müsste heute kein Menschenleben „geopfert“ werden oder auf der Strecke bleiben, nur damit alle anderen so weiterleben können wie bisher. Wir könnten uns überlegen, wie wir in Zukunft dahin kommen, dass die Ressourcen der Erde irgendwann gerechter auf weniger Köpfe verteilt werden müssen – das darf nicht zu lange brauchen; aber wir haben umso länger Zeit, umso mehr Zeit und Geld wir in Aufklärung statt nur Symptombehandlung investieren, umso mehr Menschen auf lokaler Ebene entscheiden können, was sie wirklich zum Überleben brauchen.
Solange sich Menschen aber zu blindem Aktionismus hinreißen und einreden lassen, dass vor allem „schnelles“ Handeln erforderlich ist, oder dass sie andere an ihrem Lebensstil und Geld teilhaben lassen könnten, auf deren Kosten sie ihren Wohlstand „verdient“ haben, haben nachhaltige und für die Menschen vor Ort zum Überleben sinnvolle Veränderungen wenige Chancen.

Es werden wohl noch viele Menschen unnötig leiden, weil sie sich nicht geliebt oder als Individuen wahrgenommen fühlen, und sterben müssen, während andere fleißig weiter versuchen, möglichst effektiv – mit möglichst wenig Zeitaufwand – so viele andere wie möglich zu retten.

P.s.: Es ist ein schöner Gedanke, andere dafür zu bezahlen, dass sie Menschen- oder Tierleben retten oder vorgeben dürfen, was alle anderen dazu beitragen sollen. Wer aber selbst schon keine Zeit hat, sich um sein eigenes körperliches und geistiges Wohlergehen und das der eigenen Lieben zu kümmern, wer keine Zeit hat, sich mit natürlichen Zusammenhängen zu beschäftigen, also krank oder unglücklich ist und Hilfe gebrauchen könnte, könnte sich zuerst einmal fragen, wie andere das hinkriegen sollen, ohne dass noch viel mehr Menschen bereit sind, mehr Zeit zu investieren und tatkräftig mitzuhelfen.

 

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Dank für das Foto gebührt Natalie Grainger (auf Unsplash)!

 

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