Verwechslungsgefahr

Wie unterscheide ich harmlose von gefährlichen Menschen (für Körper und Geist)?

Es sind nicht die Menschen tatsächlich unberechenbare, körperlich gewaltbereite PsychopathInnen, die sich in ihrer Wort- und Lautstärkewahl nicht immer gut unter Kontrolle haben, solange sie wissen, dass andere sie dabei für unberechenbar oder verrückt halten. Es sind auch nicht diejenigen irre VerschwörungstheoretikerInnen, die (historische) Belege für Verschwörungen recherchieren und vorbringen können. Es mag eine Herausforderungen für jeden Geist sein, ihnen zuzuhören; aber sie möchten niemanden belehren, sondern aufklären und warten daher auch bereitwillig, bis irgend jemand bereit ist, Ihnen zuzuhören und mit ihnen zu diskutieren. Sie werden von Vertrauen in die Menschheit und Achtung vor deren körperlichen Unversehrtheit, so dass sie in erster Linie auf Gefahren und Grausamkeiten aufmerksam machen oder warnen statt sie begehen zu wollen. Vermutlich würden die meisten sogar für die Wahrung der Würde jedes Schwerverbrechers oder jeder -verbrecherin einstehen (solange er oder sie Reue zeigt, also verspricht, angerichtete Schäden möglichst „wiedergutzumachen“) und ihm/ihr auch einräumen, sich das gesellschaftliche Vertrauen sowie die eigene Freiheit zwar nicht zu erkaufen, aber zurück zu erarbeiten.

Gefährlich (bis zu unmenschlichen Grausamkeiten fähig) sind eher die, die am vertrauenswürdigsten scheinen und die schönsten Versprechungen machen – aber selbst vielleicht gar nicht wissen, wie (größen-)wahnsinnig ihre (Verschwörungs-)Pläne sind, mit denen sie der Menschheit (angeblich) Gutes tun oder Menschen (vor anderen) schützen wollen. Wer statt umfassend aufzuklären nur eine Option zeigt, nämlich sich vor einer (angeblichen) Gefahr zu schützen statt mit ihr zu leben, erkennt nicht an, dass nicht alle Menschen gleich sind und die gleichen Ängste haben und Gefahren sehen, vor denen sie geschützt werden müssten. Solchen Menschen fällt es leicht, andere, die nicht ihrer Meinung sind, zu diffamieren, herabzuwürdigen, also zu entmenschlichen und daher grausamer gegen sie vorzugehen.

VertreterInnen aus beiden Gruppen können den Anschein erwecken, einer Berufung zu folgen; beide müssen vielleicht für ihre Ideale andere Dinge opfern, die ihnen am Herzen liegen; beide können (zu) oft und ausdauernd wiederholen, was ihnen am Herzen liegt; aber die erste gründet in der Liebe zum Leben, der Natur, anderen Menschen, Tieren, Pflanzen bis hin zu den kleinsten Lebewesen des Universums, die zweite in Angst, einfach so zu leben, also ein einfaches Leben führen zu können, oder im Stolz, über andere Wesen erhaben zu sein bzw. sein zu wollen.

Menschen, die zur ersten Gruppe gehören zählen darauf, dass alle Menschen fähig sind, vernünftige Entscheidungen zum Wohle aller zu treffen; dass einige vielleicht nur noch nicht bereit sind zuzuhören oder ihre Meinung dazu zu sagen; dass Gespräche, in denen keine Kompromisse geschlossen werden konnten, irgendwann neu aufgenommen werden können; dass alle Neues dazulernen könnten, was die Gesprächsbereitschaft irgendwann neu weckt. Sie vertrauen darauf, dass auch ein langer Weg sie dahin führen kann, wohin sie gerne möchten, und sie lassen sich nicht leicht von Verlockungen in die Irre führen, also von ihrem Weg abbringen.

VertreterInnen der zweiten Gruppe diskutieren nicht gerne lange und halten viele Führungspositionen inne; wer am schnellsten dort angelangt ist, hat sich mit ziemlicher Sicherheit nicht die Zeit genommen, mit Argumenten zu überzeugen, sondern sich gut verkauft (oder sogar einfach eingekauft).

Wenn Du Dir selbst nicht sicher bist, Du Dir also nicht zutraust, „gefährliche“ Werbetricks von Menschen – wie Bedürfnisse wecken, Ängste schüren, einfache Lösungen versprechen oder Alternativlosigkeit predigen und Heilmittel anbieten – zu erkennen, bist Du in meinen Augen so gut wie immer gut beraten, Dich gegen alles zu entscheiden, was einfach und zu verlockend klingt.

Spätestens wenn sich alle „GefährderInnen“ unseres körperlichen und geistigen Wohls öffentlich an einen runden Tisch setzen würden – was Gruppe zwei, die lieber hinter verschlossenen Türen tagt, gerne vermeidet – würde wahrscheinlich auch jedem Kind irgendwann klar werden, wer die größere Gefahr für das Leben der Menschen darstellt und wer vielleicht anfangs verrückter klingen mag, aber bereit ist, so lange zu sprechen, bis ihn/sie alle Anwesenden verstanden und sich alle auf einen Kompromiss geeinigt haben (zumindest wenn sie auch ein bisschen Freiheits-, Natur-, Tier- oder Menschenliebe in sich tragen).

 

P.s.: Propagandamaschine am Werk (ich fände allerdings ehrlicher, wenn hinter den „ü“s jeweils noch ein „h“ stünde).

P.p.s.: Dass Kinder nicht schon in der Schule lernen, wie sie sich dagegen wehren und sinnvoll Widerstand leisten können, wenn sie erkennen, dass sie getäuscht oder belogen werden und sich z.B. ein Rechts- und einen Unrechtsstaat verwandelt, liegt vielleicht darin, dass sie sich dann zu erfolgreich gegen andere Ungerechtigkeiten in ihrem Leben – in der Welt, in der Schule, zu Hause oder im späteren Berufsleben – mehr zur Wehr setzen und zu „SpielverderberInnen“ in unserem modernen, fotschrittlichen Leben würden …?

 

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Dank für die Fotos gebührt Mathias Csader!

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