Gut gemeint und doch zerstörerisch

Wenn zu viel des Guten unserer Laune, Gesundheit und Natur schadet

Menschen übertreiben gerne. „Viel hilft viel“ oder „das Möglichste tun“ sind Mottos, die mir ständig begegnen oder zu denen ich selbst auch hin und wieder neige. Ich bin noch unsicher, ob es aus einer inneren Überzeugung heraus kommt oder mir in meinem Leben innerhalb einer Konsumgesellschaft eher antrainiert wurde. Ich versuche jedenfalls immer mehr, darauf achten, in welchen Situationen es Sinn machen könnte oder schon gemacht hat und in welchen nicht.
Dass es keines der Mottos ein guter Leitfaden im Leben ist, an den wir uns immer halten sollten, davon bin ich heute überzeugt; denn er kann fatale Folgen haben: sowohl für das eigene Leben, aber auch für unseren Lebensraum, die Natur.

Jede/r Mensch weiß selbst am Besten, was ihm/ihr gut tut, was er/sie braucht und was nicht, und was irgendwann auch zu viel ist – zumindest wenn er/sie sich gut kennt und ehrlich zu sich selbst ist. Gleichzeitig übertragen wir gerne, um Zeit zum Nachfragen zu sparen, das, was uns selbst Freude macht, womit wir uns wohl fühlen oder auch, was wir uns wünschen, auf andere; weil wir Tipps geben wollen oder wenn wir – zu bestimmten Anlässen – glauben, Geschenke machen zu müssen.
Das kann einfach nur nerven, wütend machen oder dazu führen, dass Kontakte abgebrochen werden – wenn sich niemand traut oder es aus anderen Gründen nicht schafft, in Ruhe darüber zu reden. Ehrliche Kommunikation ist nicht so einfach, wie viele vielleicht (noch) denken. Mag auch sein, dass es den meisten sogar bewusst ist; aber sie trotzdem noch keinen Weg gefunden haben, offen und ehrlich miteinander reden zu können.
Ich kann aus eigener Erfahrung nur sagen: Möglichst gelassen und dran bleiben, es lohnt sich! Denn im Grunde wollen oder wünschen sich die wenigstens Menschen (gegenseitig) wirklich „Böses“; das ist zumindest mein bisheriger Eindruck.
Auch wenn man anderen unterstellt, sie würden sauer und lieber oder gar nicht hören oder berücksichtigen wollen, was man zu sagen hat – wenn es einfach ein bisschen „zu viel des Guten“ ist -, lässt sich auch das nur herausfinden, wenn man ehrlich darüber redet. Um ehrliche Kommunikation kommen wir in meinen Augen nicht herum, wenn wir gut gelaunt, glücklich und gesund leben wollen.
„Du, lass‘ uns da erst noch einmal drüber reden“ ist also gar kein so alberner „Öko-Spruch“ wie manche – selbst wenig gesprächige, wenig gesprächsbereite? – ZeitgenossInnen ihn hin und wieder verlauten lassen. Denn ein guter Zeitpunkt, ein Gespräch nicht zu führen bzw. ein Gespräch erst einmal zu beenden (weil nichts Gutes mehr dabei heraus kommen kann), ist in meinen Augen erst erreicht, wenn alle Seiten ehrlich (an-)erkennen, dass schon genug geredet wurde und weitere Verhandlungen über gute Kompromisslösungen vertagt werden sollten.

Folgenschwerer als im Privatleben – hinsichtlich der eigenen Gesundheit – kann es für uns werden, wenn ÄrztInnen sich stur, ohne die Wünsche Ihrer PatientInnen zu berücksichtigen, an die anfangs genantenn Leitsprüche halten und besonders viel oder zumindest irgend etwas für ihre PatientInnen tun wollen – auf den zweiten haben sie sogar einen Eid geleistet. Dass viele meinen, dass eine Behandlung nicht nur aus Worten bestehen darf und sich streng daran halten, das zeigt mir allein die Menge der aktuellen Testverfahren oder Medikamentenverschreibungen; und dass sehr viele Erkrankte das genauso sehen, zeigt mir der Medikamentenkonsum oder die „Begeisterung“ vieler Menschen für (gute) Testergebnisse.
Was diese häufig nicht erkennen ist, dass sie sich damit oft erst richtig krank machen; denn Medikamente haben Nebenwirkungen, die wiederum mit Medikamenten behandelbar sind … Wer also bei Krankheitszeichen – die ja erst einmal „nur“ Zeichen des Körpers oder der Seele sind, dass etwas „nicht stimmt“, das sich also herausfinden ließe, – dazu neigt, diese früh mit Medikamenten zu „behandeln“ – also zu unterdrücken -, neigt vermutlich genauso früh dazu, sie bei Nebenwirkungen einzusetzen.
Ein Teufelskreis für die eigene Gesundheit, der mir eine Vielzahl moderner Zivilisationskrankheiten erklärt, von Schlafstörungen, Bluthochdruck oder „Diabetes“ – einer Blutzuckerregulationsstörung, die sich statt mit Insulin frühzeitig damit behandeln ließe, das ursächliche Zuviel oder Zuwenig an Süße oder Stress im Leben in ehrlichen Gesprächen ausfindig zu machen und in geregelte Bahnen zu lenken – bis hin zu Osteoporose, Bandscheibenvorfällen, oder Herz- und Schilddrüsenerkrankungen.
Gut beraten sind dagegen eher die, die sich in Gesundheitsfragen möglichst ohne Medikamente zu helfen wissen.

Zuletzt ist beim Thema „Gutes meinen (oder tun)“ auch der Umweltgedanke nicht zu vernachlässigen – denn die Ressourcen unserer Erde werden immer knapper. Wer also andere gerne beschenkt, aber unnötig – ungefragt – zu Dingen greift, die der/die andere überhaupt nicht braucht oder gar nicht haben möchte, könnte viel Schaden und Naturzerstörung vermeiden, wenn er/sie das Schenken einfach ganz sein ließe.
Aber auch das sollte besser vorher in einem ehrlichen Gespräch geklärt worden sein! Denn es gibt bestimmt Menschen, denen es erst richtig gut geht, wenn sie mit Geschenken überrascht werden, die sich also auch über Geschenke freuen, wenn die hinterher „nur“ zum Anschauen herumstehen.
Und ich meine, dass es gut für die ganze Menschheit und keineswegs unser Untergang wäre, wenn wir alle lernen würden, individuelle Wünsche zu (er)kennen und zu berücksichtigen – weil das für mich zur Würde jedes/jeder Einzelnen gehört (auch wenn ich damit das Weltbild von Menschen zerstöre, die sich für besser oder schlechter als andere halten)!

P.s.: Auch wenn es so scheinen mag, als ob manche Menschen zu gut für diese Welt sind, muss ich ehrlich sagen, dass die Natur bestimmt mit jedem einzelnen Menschen, der die Welt weniger besiedeln würde, besser klar käme; mehr aufatmen, sich regenerieren könnte. Aber es hat mein Vertrauen in die Menschlichkeit aktuell Regierender vollends zerstört, dass sie – statt eine sinnvolle Politik zu machen, die alles daran setzt, diese Gefahr in der Zukunft zu entschärfen – einfach alle bereits lebenden Menschen zu potentiellen ZerstörerInnen, „GefährderInnen“, erklärt.

P.p.s.: Wenn man unsicher ist, ob man es manchmal vielleicht zu gut (mit sich) selbst meint, aber (noch) keine Möglichkeit zu ehrlicher Kommunikation hat: Meine Erfahrung zeigt, dass es weniger (selbst-)zerstörerisch ist, sich dabei selbst in erster Linie für verrückt statt versehentlich für zu gut oder zu schlecht zu halten.

 

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Dank für das Foto gebührt Kira auf der Heide (auf Unsplash)!
Dank für die Idee zum Inhalt gebührt Mathias Csader, der mich immer wieder geduldig darauf aufmerksam macht, wenn ich es mal wieder zu gut meine; und ganz viele anderen, lieben Menschen, mit denen ich immer noch ehrlich kommunizieren darf, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen haben!
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