Selbstdarstellung und Werbung im Tier- und Pflanzenreich – von Partnersuche bis politischer Propaganda

Das eigene Aussehen, das eigene Ansehen, spielt in der Natur eine überlebenswichtige Rolle.

Die „Mauerblümchen“, die es nicht schaffen, in irgendeiner Weise auf sich aufmerksam zu machen, bleiben vielleicht vor vielen Gefahren geschützt verborgen, können aber auch nicht viel Unterstützung und Hilfe von anderen erwarten, wenn es einmal notwendig sein sollte.
Auch die Suche nach einem Partner oder einer Partnerin kann sich schwierig gestalten, wenn sich nicht gerade viele unscheinbare, unauffällige Gestalten, die alle möglichst oder gar keine Aufmerksamkeit anderer auf sich ziehen wollen, zufällig am selben Ort zusammenfinden.
Wenn aber genau das in der Natur nicht stattfinden würde, gäbe es vermutlich gar keine Lebewesen mehr, die in diese Kategorie fallen.

So aber ist die Welt ein bunter Haufen von Lebewesen mit unterschiedlichen „Werbestrategien“, von denen es einige gar nicht weit genug treiben können, unbedingt auffallen zu wollen, während andere sich damit begnügen, ein glückliches, unauffälliges Leben zu führen oder – wie viele Arten im Pflanzenreich – sogar darauf zurückgreifen können, durch Selbstbefruchtung oder – im Gegensatz zu sexueller – vegetative Vermehrung Nachkommen zu produzieren.

Auch unter Menschen als der Spitze des Tierreiches gibt es noch VertreterInnen, die in Kategorie passen könnten.
Auf der anderen Seite sehe ich Menschen, die ihren Drang nach Selbstdarstellung in skrupellosester Weise auszuleben scheinen und mit Werbetricks, die allein dem Verkauf ihrer Person – ihrer Meinung und ihrer Produkte – zu dienen scheinen, also aus egoistischen Gründen oder für persönliche Zwecke, vielen anderen Menschen schaden oder sogar Menschenleben dafür in Kauf nehmen.

Heute wissen viele Menschen, dass Werbung oft lügt, solange es ihr erlaubt ist. Sich von Anfag an ein eigenes Bild zu machen und eigene, mündige (Konsum-)Entscheidungen zu treffen, trauen sich leider nur wenige Menschen zu, trotz aller Bildung, die sie genossen haben.
Vielleicht wollen Menschen auch einfach so lange vertrauen, bis auch dem/der Letzten klar ist, dass er/sie belogen wird?
Aber wie lange dauert es, bis das so weit ist?
Ich weiß es nicht, ich sehe nur, dass es fester Bestandteil vieler menschlicher Tragödien ist.

Die größte Tragödie, wenn nicht ein Verbrechen, ist in meinen Augen die politische Werbung und Propaganda: wenn PolitikerInnen das ihnen entgegengebrachte Vertrauen schamlos ausnutzen, um Menschen ihnen Versprechungen zu machen, die sie nie halten können. Und Menschen ihnen trotzdem immer wieder neuen Glauben schenken.

Jede/r PolitkerIn, der/die mit seiner/ihrer Politik, mit Lügen, Menschen schadet oder sogar Menschenleben zerstört, dürfte mit diesen Lügen in einer Gesellschaft, die sich als zivilisiert und gewissenhaft, moralisch handelnd bezeichnet, eigentlich nicht ungestraft durchkommen.
Wenn Nahrungsmittel- oder andere ProduktherstellerInnen in ihrer Werbung „lügen“ und damit Menschenleben gefährden oder ihrer Gesundheit schaden, obwohl das eigentlich jedem denkenden Menschen aufgefallen sein könnte und sich bei Interesse sogar selbst nachprüfen ließe, werden sie öffentlich angeprangert. Politische Propaganda muss bei uns jede/r BürgerIn sogar über Steuergelder hinaus noch mit Gebühren wie der GEZ unterstützen, und viele Ziele oder Verträge werden im Geheimen beschlossen, so dass wir Menschen, für die angeblich die Politik gemacht wird, nicht einmal die Chance bekommen, etwas nachzuprüfen.

Ich liebe die Natur, ich liebe es zu spüren, wem bzw. wessen Werbung ich trauen und wo ich lieber erst etwas nachrecherchieren möchte.
Und ich wünschte, moderne Menschen hätten ihre natürlichen Bedürfnisse und ihr natürliches Gespür für BetrügerInnen und LügnerInnen, um vor allem denjenigen zu vertrauen, die dieses Vertrauen nicht ausnutzen, nicht ihrem modernen Leben geopfert.
Viele Menschen lassen sich heute (gerne?) von Werbung und Propaganda hinters Licht führen, viele übernehmen (gerne?) möglichst wenig Eigen-Verantwortung für ihr Leben, viele sind sich vielleicht ihrer Pflichten als mündige BürgerInnen in einer Demokratie überhaupt nicht bewusst, die Demokratie mitzubestimmen, damit es eine Demokratie bleibt.

Solange die nicht endlich mit-entscheiden (wollen), sich nicht weiter schamlos belügen zu lassen (wollen), und solange die nicht beginnen, sich eine von vielen Anlaufstellen zu suchen, um sich kollektiv dagegen zu wehren – Inspirationen dazu gibt auch Rubikon: Machen wir’s selbst -, dass Menschen von einer selektiv menschenfreundlichen, also teilweise menschenverachtenden Politik regiert oder sogar tyrannisiert werden, werde ich wohl weiter zusehen müssen, wie die täglichen Lügen, vor allem von politischer Seite, weder unterbunden noch jemals bestraft werden.

Solange werde ich mir auch weiter anhören, wie sich „ganz normale“ Menschen täglich neu – gegenseitig und selbst – belügen.

 

P.s.: Ich frage mich, ob Kindern heute überhaupt noch beigebracht wird „Du sollst nicht lügen“, vor allem wenn Du damit einem oder sogar vielen anderen Menschen schadest?

P.p.s.: Und ich frage mich mittlerweile, ob die völlig absurde Maskenpflicht, die mit Sicherheit keine Viren an ihrer Ausbreitung hindert, höchstens den Radius der Ausbreitung gering verkleinert, der Test unserer PolitikerInnen ist, um in der Bevölkerung leicht ablesen zu können, wie viele ihren Lügen noch glauben… Oder sie wären mittlerweile vielleicht sogar dankbar, wenn sich Menschen endlich weigern würden, die Masken zu tragen, weil sie sich so sehr in ihre Lügen verstrickt haben, dass sie von alleine gar nicht mehr daraus heraus kommen?

 

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Dank für das Foto gebührt Mathias Csader!