Das Elend mit der Suche nach dem Glück. Zufriedenheit der einen zulasten von anderen

Glücklich und zufrieden sein, das klingt für viele, vielleicht die meisten Menschen so, als könne man das ganz alleine sein. Als müsse niemand anderes darunter leiden.

Weit gefehlt in unserer modernen, zivilisierten, globalisierten Welt. Zumindest, wenn man dabei nicht auf „Annehmlichkeiten“ eines „modernen“ Lebens verzichten möchte.

Unser „Wohlstand“ (ich fühle mich schon lange nicht mehr wohl dabei …) in den Industrienationen beruht doch nur darauf, dass Menschen in Entwicklungsländern für Hungerlöhne arbeiten oder die Natur ausgebeutet wird; anders könnten wir uns unseren Reichtum gar nicht leisten (ich weiß, wie paradox sich die Formulierung anhört!).

Anders könnte die Welt, wie sie heute ist, nicht funktionieren.
Aber da die Regierungen, die regierenden Mächtigen, dieser Welt stur auf ihren „immer so weiter“-Wachstumsideen beharren, wird die Kluft zwischen Arm und Reich sowie zwischen (un)echter Zufriedenheit, Glück, und berechtigter Unzufriedenheit, Leid, immer größer.

Es ist so einfach, das zu sehen und zu verstehen. Wenn man hinschaut oder hinhört; wenn man überhaupt hinschauen oder hinhören will …

Wer aus eigener Bequemlichkeit Dinge in seinem Alltag nutzt, für deren Herstellung die Natur, Tiere und Menschen ausgebeutet werden, der/die ist mitverantwortlich für diese Ausbeutung. Der/die zahlt vielleicht sogar bereitwillig Geld dafür.
Wer zusätzlich Geld an menschenverachtenden Wettspielen, Spekulationen, oder umweltschädigenden Investitionen verdienen will, fördert diese zusätzlich mit seinem eigenen Geld.
So einfach ist das.

Das fühlt sich natürlich nicht gut an. Das will niemand hören. Mit solchen Hinweisen disqualifiziere ich mich aus vielen Unterhaltungen als Spielverderberin.

Wie soll man denn mit diesem Gefühl glücklich und zufrieden sein?

Gar nicht, finde ich. Keiner sollte stolz darauf sein, das mit seinem eigenen Leben und/oder Geld zu unterstützen. Niemand sollte sich gedankenlos in seinen Wohlstandssessel zurücklehnen und darauf bzw. darin ausruhen – weil nämlich andere darunter leiden; weil auch meine Welt, die Natur, darunter leidet. Für die mache ich mich gerne zur Spielverderberin.

Menschen könnten wenigstens zugeben, dass sie sich dessen BEWUSST sind!

„Moderne“ Menschen könnten sich gezielt bewusst machen, dass sie Teil der Kreisläufe in der Natur sind; dass wir Menschen nur leben können, wenn gleichzeitig andere Lebewesen (für uns) sterben.
Erst dann fangen Menschen nämlich vielleicht an, mit ihrem eigenen Leben weniger bzw. möglichst wenig Schaden anrichten zu wollen. Dann erst entwickeln wir (wieder) Demut vor dem Leben und der Natur, oder Begeisterung dafür. Die wiederum ist übrigens eines dieser großartigen Gefühle, die mich noch besonders glücklich machen in all dem Elend der sogenannten zivilisierten Welt!

Ich bin überzeugt, dass wir genau dafür Gedanken UND Gefühle haben: um im Einklang mit der Natur, glücklich und zufrieden, leben zu können; um im Einklang mit uns – und vom Leben begeistert – zu leben.
Wir haben von Natur aus die Möglichkeit, unser Leben nach bestem Wissen UND Gewissen zu führen. Und wir bekommen dafür dann sogar eine körpereigene Belohnung, ein Zufriedenheits- oder Glücksgefühl.
Eigentlich ein schönes Selbstregulierungs-System, mit dem wir die Ausbeutung der Natur und anderer Lebewesen möglichst verhindern könnten.

Moderne Menschen scheinen allerdings schon vor langer Zeit das Maß für Zufriedenheit verloren zu haben. Viele suchen lebenslang danach, ohne jemals zu erkennen, dass sie es sich „einfach“ selbst hätten setzen können.

Es ist doch bekannt, „man weiß doch“ bzw. könnte zumindest wissen, dass Menschen mit dem Erreichten nicht automatisch lange zufrieden sind.
Von Natur gibt es nämlich leider auch das Gefühl der (An-)Gewöhnung. Dann wollen wir mehr, und auf keinen Fall mehr weniger. Was wir haben, wollen wir auf keinen Fall mehr hergeben – aus Angst, dann noch unzufriedener zu sein als sowieso schon.

Es ist auch bekannt, dass das ein Teufelskreis ist, aus dem jede/r entkommen könnte, der/die darin einfach nicht weiterläuft, also aussteigt. Jede/r könnte sich frei entscheiden, einfach nicht mehr mitzumachen.

Aber unsere moderne Gesellschaft fördert genau die Menschen, die dieses Spiel mitmachen wollen, die etwas erreichen wollen, die immer mehr wollen, die nie zufrieden sind, die gerne im Kreis, im Hamsterrad herumrennen.

Wir lassen sie Führungspositionen innehaben und geben Ihnen mit Gesetzen Rechte, vor denen wir dann kuschen müssen. Ja, sind wir denn blöd? …

Mich wundert jedenfalls nicht, dass viele Menschen nicht so richtig zufrieden, nicht gesund und glücklich sind – weil Zufriedenheit auch etwas mit freien Entscheidungen, mit eigener Handlungsfähigkeit zu tun hat.

Ich fühle mich täglich wie in einer Zwangsjacke, ich fühle mich mitverantwortlich für das Leid in der Welt und die Naturzerstörung ; aber ich fühle mich auch zufrieden, weil ich nicht stillschweigend dabei mitmache, weil ich nicht einfach zusehe, wie uns als einzelnen Menschen, mir als BürgerIn, systematisch immer mehr Möglichkeiten genommen werden, daran überhaupt noch etwas verändern zu können.
Ich will noch daran glauben, dass es irgendwann genug Menschen gibt, die es sich nicht mehr gefallen lassen, Teil dieser krankmachenden Systeme zu sein, die wir Menschen uns ja selbst aufgebaut haben, also auch gemeinsam wieder abbauen könnten.
Zumindest könnten wir sie oberhalb einer großen, breiten Basis, die die arbeitende oder versklavte Bevölkerung bildet, relativ schnell einstürzen lassen, denn mittlerweile haben sich einige so hoch und weit hinaus gewagt, dass es vermutlich ziemlich wacklig unter ihren Füßen ist.

Das Leid ganz unten ist vermutlich nur noch nicht groß genug. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Menschen an der Spitze ihr Streben nach „Glück und Zufriedenheit“ auch nicht freiwillig, von alleine beenden, sich irgendwann zufrieden geben, also Grenzen setzen werden.

 

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Dank für das Foto gebührt Mathias Csader!

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