Solidarisieren gegen einen Feind

Ein Testlauf für die menschliche Vernunft bzw. den Einsatz menschlichen Wissens in Kombination mit Gewissen

Parolen, die mit gemeinsamem Kämpfen werben, funktionieren unter Menschen immer noch. Nach so langer Geschichtsschreibung, nach einer sogenannten Aufklärung und trotz verbreiteten Rufens nach Frieden auf der Welt. Wie kann das sein? Was läuft da so „schief“ in den Köpfen und Handlungen der Menschen?

Solidarität ist in der Natur verbreitet. Schon viele Pflanzen blühen solidarisch, gemeinsam zur selben Zeit – weil es ihnen, jedem einzelnen Individuum nützt. Um Partner zur Fortpflanzung zu finden, aber auch, um sich uneigennützig gegenseitig bei Gefahren zu warnen (viele Bäume animieren bei Fraßschäden über Duftstoffe ihre Nachbarn dazu, Giftstoffe zu produzieren, die ihre Blätter bitter machen), also sich untereinander zu helfen. Auch unter Tieren lässt sich viel solidarisches Verhalten beobachten. Gegenseitige Hilfe und Kooperation gegenüber reellen Gefahren kann überlebenswichtig sein.

Uns „westlichen“ Menschen geht es heute viel zu gut. Wir müssen als Spitze der Nahrungskette keine natürlichen (Fraß-)Feinde mehr fürchten und wir haben genug technische „Hilfsmittel“, um den von uns eingenommenen Platz zu verteidigen oder wiegen uns durch unser Militär in Sicherheit, falls jemand versuchen sollte, ihn uns streitig zu machen. Wir sind nicht mehr darauf angewiesen, uns gegenseitig zu helfen und solidarisch, rücksichts- und respektvoll miteinander umzugehen.
Wenn ich mir unsere moderne Gesellschaft anschaue, sehe ich im Alltag kaum solidarisches Verhalten, nicht einmal in vielen Familien. Da ordnen sich die einen unter, die anderen erheben sich gerne; respektvolle Begegnungen auf Augenhöhe, die für mich echte Solidarität darstellen, sind selten. Was viele Menschen für Solidarität halten ist heute oft getarntes Mitleid, Gruppenzwang, also Angst, und im schlimmsten Fall Massenhysterie. Aber das Bedürfnis danach schlummert weiterhin in uns, das Gefühl, irgendwo richtig dazu zu gehören. Deshalb suchen wir Gleichgesinnte; in einem Verein, einer Gruppe, einem Team usw. Auf freiwilliger Basis, und wir fühlen uns gut dabei.

Das Gemeinschaftsgefühl der Menschen, die Sehnsucht danach haben einige besonders Kluge schon seit jeher auszunutzen gewusst; viele Kriege wurden nicht von Freiwilligen geführt, sondern von Menschen, die das Gefühl hatten, sie kämpften FÜR alle anderen oder zumindest in deren Sinne GEGEN einen gemeinsamen Feind. Dafür dass es sich im Nachhinein eigentlich allein um die Feinde oder Interessen ihrer AnführerInnen handelte und nicht allen Beteiligten gleichermaßen damit geholfen war, haben viele SoldatInnen oder andere KriegsunterstützerInnen in unserer Menschheitsgeschichte nicht erst einmal feststellen müssen…

Warum fallen Menschen immer wieder darauf herein? Warum lehren nicht schon Eltern ihren Kindern, warum Schulen und Bildungsstätten nicht heranwachsenden Menschen, in erster Linie für ihre eigenen Ideale zu leben statt gegen Feinde zu kämpfen, warum bringen sie ihnen nicht bei, andere zur Kooperation statt zum Kampf aufzurufen?

Ich behaupte: Weil für solidarisches Verhalten, also Kooperation, gemeinsame Ziele notwendig sind; und dafür lassen sich Menschen schwer begeistern. Jede/r hat ja so seine eigenen, eigennützigen, egoistischen.

Wer sich also berufen fühlt, Menschen anzuführen, wer sich für geeignet hält, anderen sagen zu können, was gut für sie ist, wer sich besonders schlau fühlt und es sogar für vernünftig hält, andere seine eigenen (inneren) Kämpfe ausfechten zu lassen statt selbst in den Ring zu steigen, der/die schafft ein vernünftiges“ Feindbild, das gefährlich für alle ist, die er/sie zu solidarischem Handeln aufrufen möchte: Juden, Terroristen, Rechtsextremismus, Bakterien, Viren.

Besonders viele der in der Gesellschaft als die „vernünftigsten“ angesehenen Menschen wie ÄrztInnen und RichterInnen oder generell WissenschaftlerInnen sind paradoxerweise auch früher schon gerne solidarisch auf den fahrenden „BesserwisserInnen-Zug“ der vorgefertigten, herrschenden Meinungen aufgesprungen und haben damit nicht für Solidarität, sondern schlicht und einfach gegen bestimmte, unerwünschte Bevölkerungsgruppen (die z.B. andere Meinungen vertreten) gekämpft. Wer glaubt, Menschen könnten EINEN gemeinsamen Feind haben, der bekämpft werden müsste, der/die irrt sich gewaltig! Es gibt weder natürliche noch künstlich geschaffene, lebensbedrohliche Gefahren, die für alle Menschen genau gleich sind außer das Verdursten, Verhungern, Ersticken, Ertrinken, Erfrieren, Verbrennen oder an selbst mitverschuldeten Unfällen bzw. Verletzungen zu sterben.
Ich war zwar schon immer schlecht darin, mit geschichtliche Namen, Daten und genaue Abläufe zu merken, aber ich beobachte die Natur und Menschen schon lange genug, um Muster und Wiederholungen zu erkennen oder zu sehen, dass Menschen zu Instrumentalisierungen neigen, wenn sie ihre (vermeintlich vielleicht sogar für alle anderen auch) „hohen Ziele“ verfolgen, die sich oft als sehr menschenfeindlich herausstellen.

Als ich Herrn Drosten das erste Mal reden hörte, habe ich ihn für einen paranoiden Weltuntergangspropheten gehalten, weil ich denke – nach allem, was ich über Viren weiß – das unter deutschen Versorgungsbedingungen kein Virus die prophezeiten Dimensionen annehmen würde. Ich habe allerdings die Angst der Menschen unterschätzt, selbst Betroffene, selbst infiziert zu werden oder andere anzustecken. Ich habe unterschätzt, für wie krank sich Menschen untereinander heute halten. Ich habe unterschätzt, wie krank viele Menschen heute sind, weil sie schon seit so vielen Jahrzehnten dem Rat von ÄrztInnen vertrauen, die gar nicht mehr ihre eigenen – Menschen zu helfen -, sondern die Ideale einer Pharmaindustrie – Medikamente, Tests und Impfungen zu verkaufen – verfolgen. Ich habe unterschätzt, wie viele Menschen sich heute für ihre Gesundheit kaum bis gar nicht mehr mit-verantwortlich fühlen und wie stark der Glaube daran ist, einfach ein „gleiches Recht auf Gesundheit für alle“ fordern zu können.

Ich betrachte – wie viele andere WissenschaftlerInnen – Viren als Freunde der Menschen, weil sie uns anhalten, dafür zu sorgen, dass wir möglichst gesund bleiben, also Gesundheitsvorsorge betreiben, und nicht als Feinde.

Als ich meine Meinung über Herrn Drosten gesagt habe, habe ich mich gewundert, dass niemand anders als ich ihn so sieht, das er überall als „besonnen“ wahrgenommen und dargestellt wird, wo er für mich ein Mensch ist, der einspurige, „irrige“ Ansichten vertritt. Ich meine das nicht abwertend, ich halte ihn einfach für einen extrem ängstlichen Menschen, der denkt, dass Menschen vor einem gefährlichen Virus geschützt werden müssten.

Wenn ich meiner eigenen Gesundheit zuliebe keine Maske trage (denn die Dinger machen mich krank, dazu brauche ich kein ärztliches Attest!), werde ich trotz Abstandshalten von einem großen Teil der Bevölkerung um mich herum fühlbar als unsolidarisch stigmatisiert und teilweise sogar diskriminiert, also am Einkaufen gehindert (obwohl ich mich erinnere, dass selbst ein Herr Drosten anfangs verlauten ließ, er würde angstfrei auch ohne Maske Bahn fahren – aber politische Schienen werden ja schnell mal umgestellt…).

Wenn ich auf die, nicht nur gesellschaftlichen, Kollateralschäden der Corona-Maßnahmen, die vermutlich mehr Leben gekostet haben als vor dem Corona-Virus gerettet werden könnten, hinweise – auf die absoluten Zahlen von Kranken und Toten im Vergleich zu anderen Jahren, auf Fehlbehandlungen der Corona-Kranken, leere Krankenhausbetten, die wichtiger waren als die Versorgung von kranken Menschen, die fehlende Aussagekraft der gängigen Tests im Hinblick auf eine Infektionsgefahr, die ständigen „Pannen“ an irgendwelchen Stellen … irgendeine im Gegenzug verhältnismäßig belanglose Erklärung findet sich, dank unserer großen öffentlichen Medienberichterstattung immer.

Ich glaube, ich weiß heute, wie sich vernünftig denkende Menschen erst vor einigen Jahrzehnten das letzte Mal gefühlt haben müssen, als Menschen so „dumm“ waren, nur der Propaganda in den Medien zu glauben. Ich glaube, ich weiß heute, dass Menschen, die statt vernünftig – und angstfrei (Angst spielt in meinen Augen die größte Rolle!) zu denken, lieber ein „Freund-Feind“-Schubladendenken betreiben, sich überhaupt nicht wundern, dass keine öffentliche Debatte stattfindet. Der Feind ist ja bereits ausgemacht!

Ja, traurig und spannend, dass da noch so viel Platz nach oben ist in der Evolution der menschlichen Vernunft. Ich vermute, sie wird alle paar Jahrzehnte, wenn Menschen zu faul werden und ihr Leben zu sehr von Maschinen führen lassen wollen, auch einfach nur auf die Probe gestellt. Ob sie überhaupt noch gebraucht wird.
Use it or lose it“ ist ein für mich enorm aussagekräftige Weisheit in Bezug auf lebende Organe…

Immerhin bin ich mir sicher, dass ich mir keinen Frieden auf der Welt wünschen, kein Wunschdenken zu betreiben brauche, solange ich noch das Wort Feind oder den Aufruf höre, etwas zu bekämpfen, uns seien es „nur“ Viren.

Aber vielleicht besinnen sich ja immer mehr Menschen doch noch auf ihre Vernunft, ihre bürgerlichen Freiheitsrechte, auf die sie sich innerhalb der momentanen Einschränkungen berufen können, und wagen jetzt zunächst einmal den Absprung vom gerade fahrenden Corona-Paranoia-Zug. Es ist eigentlich absehbar, dass er gerade auf einen Abgrund – den Zusammenbruch einiger unserer von der Politik bzw. großen Unternehmen beherrschten „Systeme“ oder den unserer Bürgerrechte und -freiheiten – zusteuert; fragt sich nur, ob er weiterhin auf derselben Spur bleibt, weil alle brav mitfahren wollen, und wie viele Menschen er am Ende mitreißen wird.

 

P.s.: Ich dachte bis vor Kurzen noch, die Verteidigung der in unserem Grundgesetz verankerten bürgerlichen Freiheitsrechte könnten ein gemeinsames Ziel der Deutschen sein. Heute habe ich den Eindruck, viele wissen nicht einmal mehr, dass die verteidigt werden müssten. Viel lieber hätten sie anscheinend ein festgeschriebenes „allgemeines Recht auf Gesundheit„, für die der Staat zu sorgen hat, obwohl Menschen schon mit individuell unterschiedlichen, gesundheitlichen Voraussetzungen auf die Welt kommen und Gesundheit jede/r einzelne mit einem ungesunden Lebensstil zunichte machen kann. Solch ein Recht oder Gesetz kann nie allen gleich nützen, ohne dass extrem in persönliche Freiheitsrechte eingegriffen werden muss! Was wir – vor allem im Hinblick auf die Gesundheit jüngerer Generationen – endlich von unseren Regierenden fordern könnten, sind nicht Hygiene- oder Infektionsschutzgesetze, die in erster Linie Vorerkrankte, also bereits Kranke, brauchen, und die deshalb allen anderen gesetzlich verordnet werden müssen, sondern (freiwillige) Gesundheitsvorsorgeverpflichtungen, die gesündere Lebens-, Arbeits- und Umweltbedingungen fördern und belohnen, damit das Elend mit der menschlichen Gesundheit nicht immer so weiter geht. Es dürfte in meinen Augen kein Infektionsschutzgesetz geben, das sich so geschickt instrumentalisieren lässt (weil es ja unmöglich ist, Viren an ihrer Ausbreitung zu hindern, wenn man sie nicht in einem Hochsicherheitstrakt verwahrt), und es dürfe in meinen Augen keine Medienberichterstattung geben, die Ängste vor einer Ansteckung schürt. Wir bräuchten gesundheitliche Aufklärung, wie wir im Falle eines tatsächlichen Infektionsgeschehens in uns persönlich oder in der Bevölkerung vorgehe können (und nicht aufgrund positiver Tests oder „Testungen“ – von denen jetzt neuerdings berichtet wird -, die darüber aber überhaupt nichts aussagen!). Wir bräuchten schon in unseren Schulen Aufklärung darüber, dass der „Schutz“ vor dem Kontakt mit Viren ein illusorisches Unterfangen ist und wir Menschen dadurch erst entstanden sind, leben und gesund bleiben, dass wir täglich neu – nicht nur mit Bakterien, sondern auch mit Viren -„infiziert“ werden bzw. uns gegen die ungehemmte Ausbreitung in unserem Körper wehren müssen/können (ich empfehle dazu Literatur der Virenforscher/in Karin Mölling oder Frank Ryan).

P.p.s.: Notorische BesserwisserInnen erkennt man übrigens daran, dass sie sich in ihrer vorgefertigten Meinung schnell persönlich angegriffen fühlen, mit Andersdenkenden also auch keine (sachlichen, gewaltfreien, öffentlichen) Diskussionen führen wollen und lieber hinter verschlossenen Türen agieren, wo Ihre eigennützigen oder fehlenden Argumente verborgen bleiben; wohingegen Menschen, die sich ihre eigenen Meinung bilden möchten, Gegenargumente also hören möchten, offen für andere Meinungen, also zu allen Gesprächen und öffentlichen Diskussionen bereit sind!

 

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Dank für das Foto gebührt Mathias Csader! (https://natur-highlights.de)