Frühling – die Zeit des Neuerwachens und Wachsens der bunten Vielfalt in der Natur; vielleicht auch für kreative Köpfe in unserer Gesellschaft?

Mir fallen ja immer häufiger die Prinzipien, die ich aus der Natur kenne, und die Muster, die ich in der Natur beobachten kann, auch unter Menschen auf. Eigentlich logisch; denn wir Menschen entstammen ja der Natur.
Jedenfalls finde ich sehr spannend, dass wir gerade jetzt, im Frühling, in einer weltweiten Krise stecken, zu deren Lösung frische, neue Ideen, die vermutlich an vielen Stellen aus dem Boden sprießen, herangezogen werden könnten… Ich sehe allerindings in erster Linie kreative Lösungen dazu, wie sich die aufgezwungenen Einschränkungen ertragen lassen statt dafür, wie wir vorsorgen könnten, dass solche Zwangsmaßnahmen in Zukunft nicht häufiger an der Tagesordnung stehen… Auch das ist ein „schönes“ Muster, das ich immer wieder beobachte: so lange es irgendwie möglich ist, dreht es sich in der Mehrzahl der Köpfe allein um akute, kurzfristig möglichst effektive Symptombehandlungen, deren langfristige negativen Folgen kaum dagegen abgewogen zu werden scheinen, statt um sinnvolle Planung auf lange Sicht, bei der langfristige Vorteile mehr wiegen als kurzfristige Nachteile , im Falle des Coronavirus also z.B. gesundheitliche Vorsorgemaßnahmen gegen COVID-19 zu treffen. Dass das nicht die vorsorgliche Her- und Bereitstellung eines Impfstoffes sein kann, darauf könnte jede/r auch von alleine kommen, wenn uns ja immer wieder ganz neue Viren, die vorher noch nicht bekannt waren, vor die größten Probleme stellen.
Leider habe ich von Seiten unserer Politiker oder unseres Gesundheitssystems von noch gar keinem – aus biologischer Sicht sinnvollen – Ansatz gehört, oder gelesen, wie man die Gesundheit der Menschen verbessern oder die Welt grundlegend ein bisschen ändern könnte, damit von neuen Viren keine solche Gefahr mehr ausgeht; wie z.B. dem, Lebensbedingungen, v.a. in ärmeren Ländern so zu verändern, dass Menschen Erkrankungen auskurieren können. „Krankheiten“ sind ja nichts anderes als Symptome eines arbeitenden Immunsystems bzw. eines über- oder unterforderten, zu einseitig belasteten Organs oder Körperteils. Krankheitsbekämpfung ist daher immer Symptom- und nicht Ursachenbekämpfung – dieses Wissen hat sich nur leider in den Köpfen der Menschen noch nicht durchgesetzt. Wer krank wird, hat aber nicht „einfach schlechte Gene“ – denn es ist heute wissenschaftlich belegt, dass epigenetische Faktoren Genaktivitäten beeinflussen können -, und wer sich als Patient mit einer Organerkrankung oder einem „Keim“ als Ursache zufrieden gibt, der hat in meinen Augen „nur“ aufgehört, danach zu suchen, warum dieses Organ krank geworden ist oder warum sich diese „Keime“ zu diesem Zeitpunkt im eigenen Körper ausbreiten konnten (denn Menschen kommen täglich mit vielen verschiedenen in Kontakt, die sich vermutlich alle gerne ausbreiten und vermehren würden, wenn Immunsysteme sie nicht in Schach halten würden!).

Aber zurück zum Frühling! Es sprießen ja vielleicht sogar gerade ein paar kleine Ideen für grundlegende Änderungen! … Allerdings werden die, wie die vielen bunten Frühjahrsblüher in europäischen Wäldern – mit ihrem gemäßigten Klima und den Jahreszeiten – vermutlich bald schon wieder überschattet von den „großen Idealen“ unserer Gesellschaft, die „schützend“ ihre Blätter über das Geschehen am Boden ausbreiten. Große, starke Bäume scheinen ja tatsächlich in vielen Gesellschaften als vorbildhaft für Menschen in Führungspositionen zu gelten; dass sie keine bunte Artenvielfalt unter sich zulassen, weil sie zu viel Schatten werfen, wissen vermutlich viele Menschen gar nicht. Es wird in einem europäischen Wald nie ganzjährig die bunte Artenvielfalt geben wie im Frühjahr – wenn die Bäume ihre Blätter noch nicht entfaltet haben – oder wie auf Lichtungen, die meist schnell wieder von Bäumen überragt werden. Sobald die „Normalität“ im Wald zurückgekehrt ist, die Bäume also in voller, einheitlich grüner Pracht stehen, ist von der kurzzeitigen, bunten Vielfalt am Boden, die sich bis zum nächsten Frühling in den Boden zurück zieht oder von der nur Samen zurückbleiben, die auf ihre Chance zum Keimen warten müssen, nichts mehr zu sehen. Unsere Wälder sind also relativ artenarm im Vergleich zu bunten Wiesen, mit deren Flora und Fauna sie allerdings in regem Austausch stehen, so dass beide Lebensräume auch auf die Anwesenheit des anderen angewiesen sind. Viele Tiere suchen Schutz im Wald, während sie auf den Wiesen leichter jagen können (auch nach Paarungspartnern); und Pflanzen, die sich aus eigener Kraft kaum fortbewegen können, bekommen über Tierverbreitung ihrer Samen die Möglichkeit, auch andere Habitate, Lebensräume, zu besiedeln.

Für ein stabiles Gleichgewicht, d.h. dafür, dass Ökosysteme nicht schnell ganz zusammenbrechen und zu „toten Zonen“ werden, wenn sich die Lebensbedingungen an einem Ort ändern, z.B. durch das Klima oder Eindringlinge – nicht nur Menschen -, die sich ungehindert ausbreiten, ist es in der Natur enorm wichtig, dass es für viele verschiedene Arten auch die unterschiedlichsten Lebensräume bzw. ökologischen Nischen gibt; dass es immer wieder Rückzugsorte für Arten gibt, deren angestammter Lebensraum zerstört wurde. Sonst gehen sie irgendwann verloren, und nach ihnen alle Arten, die in irgendeiner Weise von ihrem Dasein abhängig sind. Da es nicht sehr weit gedacht und unrealistisch ist, dass auf der Erde irgendwann einmal alles genauso bleiben könnte, wie es ist, wäre es für das Überleben aller vorsorglich wichtig, die gesamte Vielfalt möglichst zu erhalten. Auf lange Sicht hat es nur Nachteile, wenigen, groß(wüchsig)en Arten, die (uns) viele Erträge bringen, sozusagen effektiv (für uns) arbeiten, aber vielen anderen die Luft bzw. das Licht zum Atmen nehmen, zu viel Raum zu geben, womöglich in reinen Monokulturen: diese werden besonders empfindlich gegen Borkenkäfer, Pilze, Viren-, also generell sehr viel krankheitsanfälliger als Mischkulturen aus vielen, automatisch klein(wüchsig)eren, weniger ertragreichen Arten und Sorten.

In der Natur setzen natürliche Gegebenheiten Bäumen, die natürlich wie alle Arten danach streben, schnell immer weiter zu wachsen und sich möglichst auf allen noch freien (z.B. Wiesen-, Moor-)Flächen auszubreiten, natürliche Grenzen (z.B. durch die Temperatur; Bodenbeschaffenheit; Niederschläge; Wildtiere, die Baumwachstum, Samenverbreitung oder schon den Fruchtansatz „in Schach halten“, …). So sorgt Mutter Natur gleichzeitig dafür, dass an anderen Stellen viele andere, bunte (krautige) Arten Raum, Luft, und genug Licht zum Leben und Wachsen haben. Tropische Regenwälder sind so artenreich, weil sich eine große Vielfalt von Arten so aufeinander abgestimmt hat, dass alle zusammen seeeeehr langsam wachsen, sehr viel langsamer als unsere heimischen Bäume – für mich übrigens ein schönes Vorbild für die Zukunft menschlicher Gesellschaften.
In unseren Breiten, wo Bäume – und auch viele Unternehmen im Sinne unserer Wirtschaft… schnell wachsen wollen (oder aus welchen Gründen auch immer „müssen“?) ist es definitiv nicht gleichzeitig das Beste für alle anderen (Arten, Menschen, Unternehmen). Die „Kleinen“ profitieren nie genauso vom Wachstum wie die Großen; wenn einige unbedingt größer werden wollen, ohne dass gleichzeitig aufmerksam dafür gesorgt wird, dass alle anderen die Möglichkeit bekommen, genauso mitzuwachsen oder auch als kleines Wesen gut weiter zu leben, wird die Kluft zwischen beiden automatisch immer größer; aber gleichzeitig beider Überlebenschance – aufgrund der enormen Abhängigkeit voneinander, die sich in einer vielfältigen Umwelt auf viele andere verteilen würde – immer kleiner…

Das ist das, was Naturwissenschaftler/Innen in der Natur beobachtet haben, das ist das, was wir Menschen aus und von der Natur lernen könnten… Aber wir machen lieber unsere eigenen Regeln und Gesetze: Wirtschaftswachstum soll gleichzeitig auch alle anderen Unternehmungen in ihrem Überleben und Wachstum unterstützen, wenn Geld irgendwo gespart oder angehäuft wird, soll es trotzdem allen nicht daran fehlen; wir können angeblich Geld für uns arbeiten lassen, es sich also vermehren lassen, ohne dass die Arbeitskraft anderer oder die Natur dafür ausgebeutet werden. Wir können Geld für wohltätige Zwecke und Umweltschutz spenden statt anderen persönlich zu helfen, statt mit unserem Verhalten die Umwelt zu schützen und unseren Lebensstil ökologisch-nachhaltig zu gestalten. Wir müssen nicht alles selbst wissen oder tun, wir können die Verantwortung für vieles einfach abgeben. Wir können einfach moralische Maßstäbe setzen, um unmoralische Systeme gut zu machen.
Können sich Menschen die Welt tatsächlich so anders, nach anderen Prinzipien gestalten als die Natur sie vorgibt, und sie und ihre Bewohner trotzdem weiter am Leben halten? Ich werde weiter beobachten, meine Schlüsse daraus ziehen, meine Meinung daraus bilden und davon erzählen. Ich werde allerdings gleichzeitig daran glauben, dass es irgendwo kreative Köpfe gibt, die eingesehen haben, dass wir nicht so wie bisher einfach weitermachen können, und schon fleißig neue, frische Ideen dazu entwickeln, wie unsere Gesellschaften mit all ihrer Vielfalt global gemeinsam wachsen und gedeihen können; wie Kompromisse aussehen könnten, z.B. zwischen

  • möglichst vielen, einheitlichen Regelungen und so wenigen wie absolut notwendig, in und zwischen Menschengruppen;
  • dem, was sich zu sehr nur in eine Richtung weiter entwickelt hat oder noch entwickeln will, und dem, was als rückständig betrachtet wird;
  • denen, die groß heraus kommen und hoch hinaus wollen, und denen, die darin keinen Sinn sehen und sich mit weniger zufrieden geben und wohl fühlen;
  • denen, die gerne selbst und in erster Linie für sich (und auch ihre Gesundheit) Verantwortung tragen, und denen, die sie gerne abgeben oder für andere übernehmen wollen;
  • technischen Lösungen und Handarbeit;
  • arbeiten gehen, Geld zum Lebensunterhalt verdienen, Steuren zahlen zu müssen und mit dem, was man am besten kann und am liebsten machen möchte, einen sinnvolleren Beitrag als in erster Linie Steuern zu unserer Gesellschaft beizutragen;
  • denen, die Vorreiter sein wollen, und denen, die sich lieber rückbesinnen.
  • einem Stolz auf die kreativen Köpfe hinter dem „made in Germany“ und dem auf die „Dichter und Denker“.

Oscar White soll schon vor mehr als 100 Jahren gesagt haben: Wir leben in einem Zeitalter der Überarbeitung und der Unterbildung, in einem Zeitalter, in dem die Menschen so fleißig sind (daran arbeiten…), dass sie verdummen. Ich würde in unserem Informationszeitalter zur „Überarbeitung“ allerdings noch die „Überinformation“ ergänzen! Ich persönlich werde mich bestmöglich für den Erhalt oder auch die „Neuansiedlung“ von vielen kleinen, bunten Persönlichkeiten, von vielen Arten von Menschen mit ihren unterschiedlichen „Überlebensstrategien„, die auf vor allem auf klein- bis großflächiger Vernetzung und Kooperation beruhen, von Diversität in der Welt einsetzen, vor allem, damit die daraus erwachsenden Ideen für alle bewahrt und nicht von einheitlich gefärbten, mächtig Großen, denen es in erster Linie um das Geldverdienen rund um die materielle Produktherstellung geht, in den Untergrund gedrängt werden.

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Dank für das Foto gebührt Mathias Csader, natur-highlights.de/

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