Vom Glauben an den Osterhasen und anderen Märchen – eine Geschichte für Erwachsene

Manche Eltern lassen sich ja so einiges einfallen, um ihren Kindern die Geschichte vom Osterhasen über viele Jahre erzählen zu können, vor allem meine Mama war da sehr erfinderisch! Weil Fantasie bekanntlich beflügelt? Weil Menschen schöne Geschichten lieben; es genießen, welche zu hören, aber auch zu erzählen? Weil es Spaß macht, Dinge zu verstecken und die leuchtenden Augen der Finder/innen zu sehen? Vermutlich gibt es noch viele andere Gründe dafür; aber leuchtende (Kinder-)Augen tauchen darunter vermutlich häufiger auf.

Menschen kommen blauäugig, gutgläubig zur Welt. Das müssen sie auch – denn um zu überleben, wenn man noch keine eigenen Erfahrungen im Leben gemacht hat, muss man sich blind auf das verlassen können, was andere einem erzählen. Mir gibt momentan nur sehr zu Denken, dass so viele Menschen auch im fortgeschrittenen Alter noch nicht damit aufgehört haben. Haben sie in ihrem Leben noch nie Erfahrungen gemacht, die sie an dem, was andere so erzählen, zweifeln lassen? Oder zweifeln sie lieber an sich und den eigenen Erfahrungen als an den Worten anderer? Den Glauben an den Osterhasen haben immerhin die meisten doch hinter sich lassen können!

Als Kind bekommt man ja früher oder später von „Besserwissern“ erzählt, dass es den gar nicht gibt. Im Glauben erschüttert, verteidigen vermutlich die meisten erst einmal aggressiv die eigenen Eltern – denn warum sollten die lügen? – oder diejenigen, die den Glauben entzündet haben, und bezichtigen leiber die „Hasenverleugner“ der Lüge. Doch dann mehren sich vielleicht Hinweise, dass etwas daran sein könnte, dass man hier einen Hasen …, äh, … Bären aufgebunden bekommen hat. Noch weitere Stimmen sagen, dass es den gar nicht gibt. Man lernt in der Schule etwas über (Feld-)Hasen, dass ihr Lebensraum bedroht ist, sie bejagt werden und es immer weniger von ihnen gibt; aber Eier verstecken die nie. Man fängt vielleicht an, sich zu fragen, wozu der überhaupt so viele Eier versteckt, wenn die in diesen Mengen doch unter hühner-unwürdigen Bedingungen produziert werden müssen, und was man denn eigentlich mit denen anfängt, wenn es doch ungesund sein soll, viele Eier zu essen; warum man etwas suchen und finden soll, das man gar nicht (verantworten) möchte. Irgendwann erwischt man vielleicht sogar mal jemanden beim Eierverstecken. Schlussendlich gestehen die meisten Eltern oder „Hasenerfinder“ entweder ihre „Irreführung“ oder sie hören einfach wortlos auf, Eier zu verstecken. Oder alle machen einfach, ohne je darüber nachzudenken oder zu reden, weiter mit dem Versteckspiel, weil es doch eine so schöne Tradition ist, die einfach nur Spaß macht…

Mir kommt es momentan wirklich oft so vor, als spielen viele unserer Politiker gerne Osterhasen; die uns der Reihe nach ein dickes Ei nach dem anderen ins Nest legen. Und Menschen um mich herum, sammeln alle brav ein, ohne zu hinterfragen, ob wir die eigentlich brauchen, verantworten wollen oder zumindest in Zukunft irgendetwas Sinnvolles damit anfangen können.

Als Biologin habe ich viel darüber gelesen und mir oft anschauen können, wie komplex die Natur ist, welche unglaublichen Querverbindungen es zwischen verschiedenen Arten gibt, welche Abhängigkeiten, Kooperationen, welche Diversität. Es ist erstaunlich, wie viel Neues immer noch weiter herausgefunden wird, wie begeistert Wissenschaftler von Zusammenhängen berichten, die sie neu entdeckt haben – nachdem sie sich auf die Suche danach gemacht hatten (was leider nicht sehr viele tun, die für ihren Job als Forscher auch bezahlt werden …)! Alle davon sind vermutlich für jeden Menschen nachvollziehbar, wenn er/sie sich mit ihnen auseinandersetzt, Verständnisfragen dazu stellt, sie sich erklären lässt.

Über die Kleinsten in der Natur, Bakterien und Viren, ist bekannt, dass sie extrem anpassungsfähig sind, dass sie überall verbreitet sind, dass ihre Anzahl lange Zeit völlig unterschätzt wurde und die von Viren ins Unvorstellbare gerückt ist, dass sie nicht einfach nachweisbar sind und dass ihre Rolle in der Natur unter Wissenschaftlern schon lange ein Streitthema ist. Ich finde daher Sätze wie „Wir müssen und können das Corona-Virus besiegen“, die – vielleicht ja nur für mich? – „vernichten“ und „aus der Welt schaffen“ implizieren, daher eine ziemlich anmaßende Frechheit. Wir können seine Ausbreitung entschleunigen, wir können es in Schach halten, aber töten oder aus der Welt vertreiben werden wir es nicht wieder. Hört sich für viele vermutlich aber nicht so gut an wie ein in Aussicht gestellter Sieg. Und nachdem der gegen Bakterien gerade erst zum Stillstand gekommen ist, haben wir ja gerade auch Zeit und Mittel, erst einmal einen neuen gegen Viren zu beginnen…

Das Märchen von der Sinnhaftigkeit eines vorsorglichen Mindestabstands zwischen Menschen wird für mich übrigens einerseits dadurch „entzaubert“, dass ich von Forschern gelesen habe, die mindestens 12 Meter Flugweite für Tröpfchen beim Niesen gemessen haben, und andererseits dadurch, dass ich mir vorstelle, wie sich virtuelle „Virenwölkchen“ – vor allem in geschlossenen Räumen ohne Luftzug – um Menschen herum bei der Fortbewegung langsam mit allen anderen kreuzenden vermischen. Dass es außerdem sinnvoller sein soll, dass jetzt jede/r einzelne, auch wenn man gemeinsam einkaufen geht, einen Einkaufswagen als Abstandshalter anfassen soll, um Viren in ihrer Ausbreitungsgeschwindigkeit zu hemmen… ach, ich höre besser auf, Absurditäten aufzuzählen.
Hat sich noch niemand die Frage gestellt, wieso in Hochsicherheitslabors eigentlich solch ein Aufwand betrieben wird, wenn man Viren doch so leicht unter Kontrolle halten könnte? Glaubt wirklich jemand, wir ändern mit all den Maßnahmen die Geschwindigkeit, mit der sich Corona letztendlich überall ausgebreitet haben wird, so sehr, dass es als Begründung für all die Einschränkungen unserer persönlichen Freiheit, für Staatskontrolle und Polizeiüberwachung, genügen sollte? Ich bin durch meine Erfahrungen vielleicht ein bisschen zu skeptisch geworden; aber worin ich mir sicher bin, ist, dass Politiker momentan nachplappern, was ihnen einseitig ausgewählte Forscher erzählen – weil sie denen aus Mangel an eigenen Erfahrungen mit Viren eben einfach glauben „müssen“.

Immerhin hab‘ ich persönlich jetzt verstanden – obwohl das in unserer Menschheitsgeschichte ja schon öfters vorkam, ich es also längst hätte wissen können – wie leicht es ist, ein ganzes Land mit einer gut erzählten Geschichte mitzureißen. Ist ja auch schön, gemeinsam für oder gegen etwas zu kämpfen… Dieser Zusammenhalt in unserer Gesellschaft… Diese Solidarität … im Kampf gegen die tödliche Gefahr … den Tod …

Ich persönlich wünschte, ich hätte durch kritisches Nachfragen und eigene Recherchen früher erkannt, wie viele Märchen mir in meinem Leben aufgetischt wurden. Noch mehr würde ich mir wünschen, dass Märchenerzähler darauf hinweisen „Das ist alles nur eine Geschichte; es gibt auch viele andere, und Du hast die Freiheit, zu entscheiden welcher Du glauben möchtest und welcher nicht.“ Und am meisten würde ich mir wünschen, dass Menschen, die gerne Märchen, also gute Geschichten, erzählen wollen, zuerst sich selbst fragen, ob ihre Geschichten sinnvoll und noch zeitgemäß sind (wenn Kinder arm sind und auch wenig zu essen haben, ist es aus biologischer Sicht sinnvoll, ihnen Nahrung zu schenken und mit Geschenken eine Freude zu machen!), ob sie – wenn Menschen für eine nachhaltige (Nach-)Produktion ohnehin schon zu viel konsumieren – sie verantworten können, oder ob es nicht mal an der Zeit wäre, sie wenigstens ein bisschen umzuschreiben.

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Dank für das Foto gebührt Christian Schulz

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